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Kachel Wasser
26.11.2022 – 14:01 Uhr

Geldanlage in Wasser: Welche Investments in Wasser helfen, den Wassermangel zu bekämpfen

Trinkwasser ist lebensnotwendig, aber knapp. Mit Investments in dessen Aufbereitung und Einsparung können Anleger einen Beitrag zur Lösung leisten.

     

Kachel Bulle und Bär
25.11.2022 – 14:21 Uhr

Riedls Dax-Radar: Neue Zinshoffnung statt Angst vor der Fed

Nach acht Wochen Kursgewinnen steht der Trendtest bevor. Die Entscheidung liegt bei der US-Notenbank, die Stärke der Aktienmärkte schürt Hoffnungen.

     

Kachel Mikrofon Interview
27.11.2022 – 16:31 Uhr

Einkommen von der Börse: „Wer jetzt neu einsteigt, sollte das sukzessive tun“

Michael Schoenhaut verwaltet einen milliardenschweren Mischfonds. Im Interview gibt er Tipps für Anleger, die ein passives Einkommen erzielen wollen.

   

26.11.2022 – Handelsblatt, Autor: Gerd Hübner

Geldanlage in Wasser: Welche Investments in Wasser helfen, den Wassermangel zu bekämpfen

Spätestens in diesem Jahr sind die Themen Wasserknappheit und -verfügbarkeit auch in Europa angekommen. So herrschte in manchen Teilen Europas eine noch nie da gewesene Trockenheit. Teilweise wurde der Verbrauch von Wasser rationiert. Allerdings besteht diese Problematik nicht erst seit dem vergangenen Sommer.

Auf globaler Ebene gibt es dieses Problem sehr viel länger und ist bereits heute sehr akut. So haben laut Unicef rund 2,2 Milliarden Menschen weltweit keinen regelmäßigen Zugang zu sauberem Wasser. 785 Millionen verfügen noch nicht einmal über die Grundversorgung mit Trinkwasser. Im Jahr 2040 sollen fast 600 Millionen Kinder in Gegenden ohne ausreichenden Zugang zu Wasser leben.

„Und dieser Wasserstress in vielen Weltregionen wird sich durch den Klimawandel weiter verschärfen“, sagt Jonas Knüsel, Manager des Aktienfonds „Swisscanto Equity Fund Sustainable Global Water“. Und fügt hinzu: „Gleichzeitig wächst der Wasserverbrauch überproportional zum Wachstum der Weltbevölkerung.“

Da Wasser nicht ersetzt werden kann, muss die Nachfrage danach seiner Ansicht nach vom weltweiten Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum entkoppelt werden. Wie das funktionieren könnte, zeigt sich in der Landwirtschaft. Nach Angaben des WWF verbraucht sie derzeit rund 70 Prozent des Trinkwassers weltweit. Deshalb sind effiziente Bewässerungssysteme in der Landwirtschaft ein wichtiges Ziel für die Zukunft.

„Ein Beispiel ist Valmont Industries als weltgrößter Hersteller von wassersparenden Karussell-Beregnungssystemen für die Landwirtschaft“, sagt Knüsel. Laut dem aktuellen Nachhaltigkeitsbericht des Unternehmens lassen sich mit dessen Bewässerungssystemen im Vergleich zu weniger effizienten Methoden bis zu 70 Prozent Wasser einsparen.

900 Milliarden US-Dollar Investment in 2021

Simon Frank, Senior Investment Advisor bei Pictet Asset Management, ist davon überzeugt, dass die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen zunehmen wird, die helfen, das Problem der Wasserknappheit und -verfügbarkeit anzugehen. „Schließlich ist die Verfügbarkeit in ausreichender Menge und Qualität für die Menschheit überlebenswichtig.“

Laut dem Global Water Intelligence Report wurden allein im vergangenen Jahr weltweit insgesamt rund 900 Milliarden US-Dollar in den Wasserbereich investiert. „Und es wird erwartet, dass dieser Betrag um vier bis sechs Prozent pro Jahr wächst“, sagt Knüsel, „wobei wir vor dem Hintergrund eines steigenden Bewusstseins für die globale Wasserproblematik auch die Chance einer Beschleunigung des Wachstums sehen.“

Zugleich ist auch der Investitionsbedarf immens. Allein 2019 belief sich die Investitionslücke bei der US-amerikanischen Wasserinfrastruktur nach Angaben von Allianz Global Investors auf 81 Milliarden US-Dollar. Andere Berechnungen gehen davon aus, dass in den kommenden 20 Jahren jährlich über 100 Milliarden US-Dollar benötigt werden.

Und das sind nur Zahlen für die USA. Auch in Europa oder in den Schwellenländern sind enorme Investitionen in diesem Bereich notwendig. Der Markt ist global und bietet eine Vielzahl von Investmentmöglichkeiten. Dazu gehören neben Unternehmen aus dem Bereich der Wassertechnologie zum Beispiel auch Wasserversorger, die sich durch kontinuierliche und stabile Erträge in regulierten Märkten auszeichnen, oder auch Firmen, die in der Abwasseraufbereitung tätig sind.

Evoqua Water Technologies ist ein Anbieter von Lösungen für die Wasser- und Abwasseraufbereitung. Dazu gehören Desinfektions-, Filtrations- und Reinwassersysteme sowie diverse Servicedienstleistungen. Auch Versorger können interessant sein. So wie das brasilianische Unternehmen Sabesp. „Es profitiert von der zunehmenden Privatisierung der zuvor kommunalen Wasserversorgung, wobei der Markt für private Wasserversorger in Brasilien stark wächst und Sabesp die Konsolidierung des Marktes aktiv vorantreibt“, sagt Experte Frank.

Ebenfalls für attraktiv hält er die Technologiefirma Xylem. Sie bietet die gesamte Bandbreite an Komponenten für die Wasserversorgung bis hin zu Analysesystemen für die Dichtigkeit von Rohrleitungsnetzen an, erklärt Frank: „Die Umsätze wachsen stärker als die Wirtschaft insgesamt, und die Erträge schwanken aufgrund der großen Nachfrage weniger stark als in anderen Segmenten der Industriegüterbranche.“

Genau das zeichnet nach Ansicht von Knüsel Wasserinvestments zusätzlich aus: „Sie müssen auch bedenken, dass das Wachstum der Wasserindustrie weniger vom Wirtschaftszyklus abhängig ist und der Anteil wiederkehrender Betriebsausgaben, der sogenannten Operating Expenditures, mit etwa 60 Prozent vergleichsweise hoch ist. Damit ist dieser Bereich weniger volatil.“ Das betrifft allerdings nur die Geschäftsentwicklung.

Finanzberater empfehlen Wasserfonds

Die Aktienkurse der Firmen dagegen können sich nicht ganz von der Stimmung an den Börsen abkoppeln. So mussten auch Wasserfonds seit Jahresbeginn zweistellige Verluste hinnehmen. Langfristig aber kann sich die Entwicklung der Aktienfonds sehen lassen. Auch deswegen empfehlen Finanzberater ihren Kunden Fonds, um in dieses Segment zu investieren.

Der aktiv gemanagte Aktienfonds „Pictet Water“ brachte es auf Sicht von zehn Jahren auf eine Rendite von knapp elf Prozent pro anno. „Für uns ist dabei entscheidend, dass wir uns mit dem Fonds nicht die Knappheit der Ressource Wasser zunutze machen, sondern wirklich in Lösungen investieren“, macht Portfoliomanager Frank klar. Das gilt auch für andere aktiv gemanagte Fonds.

Eine Alternative sind Exchange Traded Funds (ETF), die einen Index abbilden. Ein Beispiel dafür ist der „iShares Global Water ETF“, der Zugang zu den 50 größten und liquidesten börsennotierten Firmen weltweit bietet. Sie sind in der Wasserversorgung und -aufbereitung tätig.

Nachteil ist bei Indexprodukten allerdings, dass es für Anleger oft schwer nachvollziehbar ist, ob tatsächlich alle dort enthaltenen Unternehmen einen nachhaltigen Umgang mit Wasser pflegen. Denn nur wenn das gegeben ist, trägt das Investment dazu bei, das Problem der Wasserknappheit zu lösen. Und nur das dürfte das beschriebene Wachstumspotenzial mit sich bringen.

   

25.11.2022 – WirtschaftsWoche, Autor: Anton Riedl

Riedls Dax-Radar: Neue Zinshoffnung statt Angst vor der Fed

Wenn am 13. Dezember die nächsten Inflationszahlen zum Monat November veröffentlicht werden und dann einen Tag danach die amerikanische Notenbank Fed die Zinsen abermals anheben wird, dürften hektische Marktturbulenzen wahrscheinlich sein: Sollte die Teuerung in den USA abermals, wie im Oktober, zurückgehen, könnte es noch einmal ein Feuerwerk an den Aktienmärkten geben. Dann nämlich dürfte die Fed das Tempo ihrer Zinserhöhungen drosseln und ihre zentrale Funds Rate nur um 0,5 Prozentpunkte statt wie zuletzt um 0,75 Prozentpunkte anheben. Obwohl die Aktienmärkte seit dem jüngsten Tief Ende September schon weit gestiegen sind, wäre dann noch einmal ein Aufschlag möglich, der sogar über den oft freundlichen Jahreswechsel hinausreichen könnte.

Was aber, wenn die nächsten US-Inflationszahlen doch nicht so positiv werden wie erhofft? Wenn sie vielleicht, zum ersten Mal seit Juli, nicht zurückgehen, sondern stagnieren oder sogar einen Tick höher ausfallen? Dann könnte die amerikanische Notenbank die Zinsen durchaus noch einmal um 0,75 Prozentpunkte anheben. Für die Aktien- und Anleihemärkte wäre das eine herbe Enttäuschung, die schwere Kursverluste zur Folge haben dürfte.

Doch auch wenn die Fed die Zinsen nicht mehr ganz so stark anheben sollte und sie damit womöglich die Wende zu einer moderateren Geldpolitik vorbereitet, könnte es für die Aktienmärkte ungemütlich werden. Sowohl in den vergangenen zwei Jahrzehnten (in den Jahren 2000, 2007 und 2019) als auch in der Inflationsphase um die Siebzigerjahre (1969, 1973, 1981) kam es nach den jeweils ersten Zinssenkungen der Fed zu einem Einbruch an den Aktienmärkten. Der Grund dafür: Die Aussicht auf die bevorstehende Zinswende nach unten hatten die Börsen in den Monaten davor schon durch massive Kursaufschläge vorweggenommen.

Klassische Aktien stärker als Hightech-Ikonen

Auch in den vergangenen Wochen kam es zu starken Kursgewinnen, die in den klassischen Aktienbarometern Dow Jones und Dax so dynamisch ausfielen wie nach dem Coronacrash von 2020. Weniger stark ist die Kletterpartie der Technologieaktien, sowohl an der Nasdaq-Börse als auch hierzulande im TecDax. Grund dafür ist die Zinssensitivität vieler Technikaktien. Das zeigt sich auch an den Anleihemärkten, die erst seit November wieder Fuß gefasst haben. In den USA sind die Renditen für zehnjährige Bonds von 4,2 auf 3,7 Prozent zurückgegangen; die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen sind von 2,4 auf 1,9 Prozent gesunken.

Mit dem deutlichen Rückgang der Anleiherenditen hat sich allerdings die inverse Zinsstruktur weiter verfestigt: In Amerika gibt es mittlerweile sogar im Geschäft zwischen Banken über Nacht mit 3,8 Prozent mehr Zinsen als für zehnjährige Bonds. In Deutschland ist die Entwicklung nicht ganz so extrem, hier muss Geld mehr als sechs Monate angelegt werden, um über die 1,9 Prozent der zehnjährigen Bunds zu kommen.

In den vergangenen Jahrzehnten war eine inverse Zinsstruktur oft ein Zeichen für eine wirtschaftliche Schrumpfung oder eine bevorstehende Rezession. Verantwortlich dafür sind die Probleme der Banken, denen dabei die kurzfristige Refinanzierung teurer zu stehen kommen kann als die Einnahmen für langfristige Kredite ausfallen.

Noch ist die Wirtschaft hierzulande auf Wachstumskurs. Im dritten Quartal hat sich die deutsche Konjunktur mit 0,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal besser behauptet als befürchtet. Bei der Inflation ist im Gegensatz zu den USA hierzulande aber noch keine Entspannung in Sicht, im Oktober kletterte die Teuerung in Deutschland auf 10,4 Prozent. Für die nächsten Monate rechnen die meisten Volkswirte mit einer Abschwächung der Konjunktur, aber nicht mit einer schweren Rezession.

Dax gibt wichtige positive Signale

Dem Dax gelang in diesem Umfeld ein bemerkenswerter Anstieg von 11.975 Punkten auf bisher 14.540 Punkte innerhalb von acht Wochen. Dieser Anstieg war nicht nur wesentlich dynamischer als die vorangegangene Abwärtsbewegung von August bis September; der Dax gab damit gleich drei positive Signale: Erstens brach er bei 13.300 Punkten den seit Januar bestehenden Abwärtstrend; zweitens überwand er bei 13.650 die Durchschnittslinie der vergangenen 200 Börsentage; drittens kletterte er deutlich über das vorangegangene Hoch vom 16. August, das bei 13.910 Punkten lag. Aus kurstechnischer Sicht sind dies typische Signale, die durchaus einen längeren Trendwechsel einleiten können.

Und die Aufwärtsbewegung gewinnt an Breite: bei 25 der 40 Dax-Aktien verlaufen die aktuellen Kurse mittlerweile oberhalb ihrer jeweiligen 200-Tagelinie. Das sind 63 Prozent der Einzelwerte und damit ein Übergewicht in Richtung Hausse. Besonders wichtig: Von den sieben schwersten Werten im Dax zeigen derzeit alle nach oben: Stabil im Aufwärtstrend sind Linde und die Deutsche Telekom; dynamisch zulegen konnten zuletzt Siemens, SAP und die Allianz. Airbus ist schon seit Monaten robust, und auch Mercedes-Benz hat nun den Sprung über wichtige Abwärtstrends geschafft. Insgesamt hat der deutsche Aktienmarkt damit eine so robuste Verfassung erreicht wie noch nie zuvor während der Schaukelpartie seit Jahresanfang.

Fazit für den Dax: Die Erwartung, dass die amerikanische Notenbank nicht mehr ganz so kräftig an der Zinsschraube dreht und eine allgemeine Konjunktur, die sich trotz verbreiteter Rezessionsängste noch vergleichsweise gut hält, haben am deutschen Aktienmarkt zu einer substanziellen Stabilisierung geführt. Allerdings: Nach acht Wochen steiler Kletterpartie und mehr als 20 Prozent Kursplus ist der Aktienmarkt kurzfristig überhitzt. Stimmungsindikatoren haben einen ähnlich hohen Optimistenstand erreicht wie bei den Kursspitzen im März, Juni und August. Das Angstbarometer V-Dax ist auf den niedrigsten Stand seit Januar gesunken. All das deutet darauf hin, dass kurzfristig mindestens eine Konsolidierung, wenn nicht sogar eine Korrektur sehr wahrscheinlich ist.

Diese Korrektur kann noch vor der anstehenden US-Zinsentscheidung beginnen oder erst durch sie ausgelöst werden. So oder so sind nach den kräftigen Kursgewinnen der vergangenen Wochen breit angelegte Käufe aus taktischer Sicht aktuell wenig sinnvoll.

Entscheidend wird in den nächsten Wochen nicht nur sein, ob die Fed wirklich den Fuß vom Gas nimmt. Genauso wichtig ist, wie der Aktienmarkt damit umgeht. Das gilt im Fall einer unerwartet deutlichen Zinserhöhung genauso wie im Fall einer Entspannung.

Ein Rückgang des Dax bis in den Bereich der 200-Tagelinie (die in den nächsten Wochen um 13.600 verlaufen könnte) oder der Unterstützungszone um 13.400 Punkte wäre kein Problem. Es wäre eine klassische Korrektur der seit acht Wochen eingeschlagenen Aufwärtsbewegung und würde diese Richtung damit bestätigen.

Kritischer wäre ein weiterer Rückgang in den Bereich 12.700 bis 12.400 Punkte, weil dies die Stabilisierung der 200-Tagelinie (ein wichtiger Indikator für die mittel- bis langfristige Tendenz) wieder abbrechen würde. Eine solches Schwächesignal könnte dann in einer weiteren Abwärtswelle Anfang nächsten Jahres sogar zu einem Unterschreiten der Tiefpunkte vom September führen.

Insgesamt aber spricht die gewonnene Stärke des deutschen Aktienmarkts eher dafür, dass es vorerst bei einer Korrektur bleibt und nicht wieder neue Tiefen angesteuert werden.

   

27.11.2022 – WirtschaftsWoche, Autorin: Julia Groth

Einkommen von der Börse: „Wer jetzt neu einsteigt, sollte das sukzessive tun“

WirtschaftsWoche: Ihr Flaggschiff, der fast 20 Milliarden Euro schwere Mischfonds JP Morgan Global Income, verspricht eine regelmäßige Ausschüttung. Nicht zuletzt deshalb sind Sie mit dem Fonds zu rund einem Drittel in US-Hochzinsanleihen investiert. Ist die Hochzins-Quote der Grund dafür, dass der Fonds seit Jahresbeginn rund 15 Prozent im Minus liegt?

Michael Schoenhaut: Historisch gesehen ist die Hochzinsanleihen-Quote im Fonds aktuell eher am unteren Ende. Aber ja, High-Yield-Bonds machen einen bedeutenden Teil des Portfolios aus. Und sie haben tatsächlich negativ zur Wertentwicklung beigetragen. Ihr schlechtes Abschneiden war allerdings weniger der Bonität der Emittenten geschuldet, sondern vielmehr den steigenden Zinsen.

Investment-Grade-Anleiheindizes wie der Barclays Global Aggregate haben seit Jahresbeginn im Schnitt 14 Prozent oder mehr verloren, Hochzins-Indizes zirka elf Prozent. Unsere Manager konnten das Minus bei Hochzinsanleihen auf neun bis zehn Prozent begrenzen. Parallel sah es bei Aktien nicht viel besser aus als bei Anleihen. Das laufende Jahr ist somit für Multi-Asset-Manager nicht leicht, es gibt keine sicheren Häfen.

Hätten Sie das Portfolio defensiver aufstellen müssen, auch mit Blick auf eine mögliche Rezession?

Eine tiefe Rezession ist nicht unser Basisszenario. Wir sollten ohnehin nicht so schwarzweiß denken: Rezession oder keine Rezession. Das Wachstum wird sich verlangsamen, die Frage ist nur, wie drastisch diese Verlangsamung ausfallen wird. Wir haben im Jahresverlauf durchaus Risiko rausgenommen und beispielsweise unser Barvermögen erhöht. So wollen wir sicherstellen, dass wir bei größeren Kapitalabflüssen liquide sind, aber auch, dass wir flexibel sind, wenn sich Kaufgelegenheiten bieten. Zum Beispiel bei Hochzinsanleihen. In einem bis anderthalb Jahren werden sie wieder ein sehr attraktives Investment sein. Aber der Weg dahin wird hart. Die Risikoaufschläge könnten sich ausweiten, das würde die Kurse noch stärker unter Druck setzen.

Die Ausschüttung des Fonds konnten Sie einigermaßen stabil halten. Ist Ihren Anlegern das wichtiger als die Wertentwicklung?

Eine langfristig stabile Ausschüttung ist für den ertragsorientierten Income-Fonds unser Hauptziel. Aber natürlich können wir uns von der Marktentwicklung nicht abkoppeln. Die meisten unserer Anleger haben dafür Verständnis. Wir hatten in diesem Jahr keine größeren Abflüsse. Gleichzeitig haben sich allerdings die Zuflüsse verlangsamt.

Anleihen bleiben unter Druck, während die Aktienkurse vermutlich bald den Boden erreicht haben. Vielleicht kaufen Anleger jetzt lieber Dividendenfonds als Portfolios mit vielen Hochzinsanleihen.

Hochzinsanleihen weisen eine hohe Korrelation zu Aktien auf, die Kurse entwickeln sich ähnlich. Wir sehen Hochzinsanleihen und Dividendenaktien deshalb nicht als Konkurrenten. Es gibt gute Argumente für beide Anlageklassen. Sollten die Margen der Unternehmen weiter schrumpfen, wird sich das aber stärker auf den Aktien- als auf den Hochzinsmarkt auswirken – außer, wenn es eine tiefe Rezession geben sollte. Deshalb bleiben wir stärker in Anleihen investiert. Am wichtigsten ist ein aktiver Managementansatz, um flexibel auf das Marktumfeld reagieren zu können.

Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, um eine Ausschüttungsstrategie mit Zinspapieren und Dividendenaktien zu starten, oder sollten Anleger noch abwarten?

Die langfristigen Ertragsaussichten haben sich deutlich verbessert. Ausschüttungsstrategien werden in den kommenden Jahren gut funktionieren, schon allein, weil sich das Zinsumfeld verändert hat. Wer jetzt neu in Aktien oder Anleihen einsteigt, sollte das aber sukzessive tun, statt zu versuchen, den Tiefpunkt bei den Kursen zu erwischen. Das ist sogar für uns kaum möglich. Ich weiß, dass wir den Tiefpunkt nicht erwischen werden. Auf kurze Sicht bleiben wir deshalb vorsichtig und achten auf maximale Flexibilität.