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Bulle und Bär vor der Frankfurter Börse
03.02.2023 – 14:00 Uhr

Riedls Dax-Radar: Die Euphorie ist so groß wie die Angst beim Tief im September

Nach 30 Prozent Kursplus im Dax ist eine Korrektur überfällig. Die könnte neue Einstiegsmöglichkeiten bieten – etwa beim Chiphersteller Infineon oder der Deutschen Bank. Eine Kolumne.

     

Euro-Zeichen vor der EZB-Zentrale in Frankfurt
05.02.2023 – 08:16 Uhr

Zentralbanken – Einsturzgefahr an der Börse

Von wegen Inflationsbekämpfung. Eine Zentralbank nach der anderen kippt um. Der Börsenaufschwung der vergangenen Monate steht auf einem wackligen Fundament.

     

Zwei Menschen mit einem Mikrofon
04.02.2023 – 10:15 Uhr

Feri-Chef Renné: „Die Zeit, in der man mit fast jeder Immobilie Geld verdienen konnte, ist vorbei“

Der Investmentmanager Feri verwaltet die Milliarden der Superreichen. Vorstandschef Marcel Renné nennt seine Favoriten für das Anlagejahr 2023 – und sagt, von welchen Investments er abrät.

   

03.02.2023 – WirtschaftsWoche, Autor: Anton Riedl

Riedls Dax-Radar: Die Euphorie ist so groß wie die Angst beim Tief im September

Von einer Korrektur ist an den Aktienmärkten bisher wahrlich noch nicht viel zu sehen. Im Gegenteil: Die meisten Indizes setzen die Kletterpartie der vergangenen Monate mit ungebrochener Dynamik fort. Im Mittelpunkt der Hausse stehen Technologieaktien. Infineon, der führende deutsche und europäische Halbleiterwert, hat innerhalb von sechs Wochen um ein Drittel zugelegt. Das Unternehmen hat zwar zuletzt etwas weniger Umsatz erzielt als erwartet, dafür ziehen die Margen an. Der hohe Bedarf an Halbleitern für die Elektromobilität und die Energiewende, Kerngeschäfte von Infineon, hellen die Aussichten für die nächsten Monate auf.

Darüber hinaus hat die ganze Branche durch die Spannungen mit China an Bedeutung gewonnen. Weltweit bauen die großen Industrienationen nun vermehrt die Produktion im eigenen Land aus. Chips sind der Rohstoff der großen Trends, von denen die wirtschaftliche Zukunft abhängt. Ihre klassische Führungs- und Indikatorfunktion, die die Aktien der Halbleiterindustrie seit jeher für Börsen und Wirtschaft haben, wird damit noch verstärkt.

Aktien von Infineon, langjähriger Favorit der WirtschaftsWoche, haben im November mit dem Anstieg über 27 Euro ein Kaufsignal gegeben. Im ersten Aufschwung ging es bis 32 Euro nach oben, dann folgte eine Konsolidierung. Seitdem läuft die zweite Phase des Anstiegs. Die könnte die Aktie mittelfristig in den Bereich 40 bis 42 Euro befördern. Ob das nach den schnellen Gewinnen der vergangenen Wochen in einem Zug abläuft, bleibt abzuwarten.

Kräftig zulegen kann auch wieder Medizintechniker Siemens Healthineers. Das hat weniger mit den jüngsten Zahlen zum ersten Quartal der Saison 2022/23 zu tun – die fielen mit einer Umsatzstagnation um 5,1 Milliarden Euro und mit 426 Millionen Euro Nettogewinn allenfalls passabel aus.

Nach der ausgedehnten Korrektur der Aktie aber kommt es Healthineers nun zugute, dass sich die weiteren Aussichten wieder aufhellen. Die Auftragslage ist vielversprechend, die Preise ziehen an, der wichtige chinesische Absatzmarkt erholt sich. Allerdings erwartet Healthineers in der zweiten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres Belastungen durch den Umbau der Diagnostiksparte, die sich schrittweise von älteren Technologien verabschiedet. Insgesamt dürfte das den Gewinn in diesem Jahr in etwa stabil halten, bevor dann 2023/24 wieder mit anziehenden Erträgen zu rechnen ist.

Der jüngste Anstieg über 52 Euro ist für Healthineers ein wichtiges Kaufsignal. Kurzfristig sollte die Aktie jetzt nicht mehr wesentlich unter dieses Niveau sinken. Mittelfristig, in den nächsten Monaten, könnten dann Kurse um 58 bis 60 Euro möglich sein. Healthineers müsste bis dahin mit seiner operativen Entwicklung weiter vorankommen, denn analytisch billig ist die Aktie nicht.

Geht Bankaktien der Rückenwind hoher Zinsen verloren?

Zu den wenigen Aktien, die zuletzt nicht mehr richtig mitzogen, gehört die Deutsche Bank. Dabei hat das Geldhaus im vergangenen Jahr gut verdient. Der Vorsteuergewinn kletterte um zwei Drittel auf 5,6 Milliarden Euro; netto ging es dank eines positiven Steuereffekts sogar von 1,94 Milliarden Euro auf fünf Milliarden nach oben. Dabei waren die Erwartungen an den operativen Gewinn sogar noch höher.

Weltweit stehen Bankaktien seit kurzem bei den Käufern nicht mehr ganz oben auf der Liste. Grund dafür ist die jüngste Entspannung bei den Zinsen. Nachdem die amerikanische Notenbank Fed die Leitzinsen in den USA nur noch um 0,25 Prozentpunkte erhöht hat und moderatere Töne für die nächsten Monate anklingen lässt, sind die Renditen an den Anleihemärkten weiter auf dem Rückzug. Gab es für zehnjährige US-Staatsanleihen Ende Dezember noch 3,9 Prozent, sind es nun nur 3,4 Prozent.

Rendite an Bondmärkten sinkt

An den Bondmärkten ist die Rendite der weltweit wichtigsten Anleihen damit schon bis an den Bereich 3,0 bis 3,4 Prozent gesunken. Hier kam es in den vergangenen zwanzig Jahren sieben Mal zu größeren, mittelfristigen Wendepunkten. Damit ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass die Renditen auch jetzt wieder in diese Zone eintauchen; das spräche zunächst für einen weiteren Zinsrückgang.

Ob es danach dann noch weiter nach unten geht, hängt von den Fortschritten bei der Inflationsbekämpfung ab. Die amerikanische Fed gibt sich hier aktuell erstaunlich zuversichtlich; die europäische EZB, die ihre Leitzinsen gerade um 0,5 Prozentpunkte erhöht hat, betont mit mehr Nachdruck die Notwendigkeit weiterer Zinserhöhungen.

Diese Unsicherheit über die Zinsrichtung nimmt Bankaktien den Wind aus den Segeln. Generell haben die Aktien der Finanzbranche vom Zinsanstieg der vergangenen Monate kräftig profitiert – vor allem die Banken, die überwiegend klassisches, auf Zinsmarge ausgelegtes Geldgeschäft betreiben.

Mit ihrem umfangreichen Investment- und Anleihegeschäft gehört die Deutsche Bank zwar nicht zu den typischen Gewinnern steigender Zinsen, dennoch hat sie die vergangenen Monate gut abgeschnitten und ihren langjährigen Turnaround operativ vollzogen. Bewertet ist die Bank im internationalen Vergleich nach wie vor günstig, der Kurs ist seit dem Anstieg über die Zone um zehn Euro im Aufwärtstrend. In diesem Kursbereich könnten bei mittelfristigen Rückschlägen dann auch wieder die Käufer kommen.

Fazit für den Dax: Die Entspannung bei Inflation und Zinsen, das Ausbleiben einer schweren Rezession und bisher insgesamt passable bis gute Unternehmensergebnisse und Prognosen haben den Dax so stark steigen lassen, dass er die Baisse des Jahres 2022 fast schon vollständig ausgebügelt hat. Mit bis zu 15.540 Punkten hat der Dax dabei wieder ein höheres Niveau erreicht als vor dem Ukrainekrieg.

Der Aufwärtstrend im Dax, der im Oktober und November mit mehreren Kaufsignalen eingeleitet wurde, hat sich durch den jüngsten Kursschub verstärkt. Bei 85 Prozent der Dax-Werte verlaufen die aktuellen Kurse oberhalb der jeweiligen 200-Tagelinie; das ist eine enorm starke, fast schon extreme Hausse-Verfassung. Bei 15.500 Punkten hat der Dax zur 200-Tagelinie (die bei 13.640 Punkten verläuft) 14 Prozent Abstand. Dieser Abstand nach oben ist genauso groß wie der Abstand, den der Dax beim Tief Ende September zur 200-Tagelinie nach unten hatte. Das bedeutet: Der Dax ist derzeit in gleicher Weise nach oben überhitzt wie er Ende September beim Tiefpunkt nach unten überzogen hatte: Die Euphorie ist mittlerweile genauso groß wie im September-Tief die Angst. Muss es deshalb, wie Ende September, wieder zu einer dramatischen Marktwende kommen?

Auch wenn sich das Umfeld aus Inflationsgefahren, Geldpolitik und konjunkturellen Aussichten in den vergangenen Monaten entspannt hat, haben die Aktienmärkte diese positive Entwicklung durch ihren fulminanten Anstieg erst einmal in großem Umfang eingepreist. Nach 30 Prozent Kursgewinn in vier Monaten ist eine Korrektur überfällig. Die könnte den Dax in den nächsten Wochen durchaus in den Bereich 14.500 bis 14.000 Punkte abdriften lassen. Für die Aufwärtsbewegung, die im Herbst vergangenen Jahres begonnen hat, wäre eine solche Korrektur sogar eine Bestätigung.

 

 

   

05.02.2023 – WirtschaftsWoche, Autor: Frank Doll

Zentralbanken – Einsturzgefahr an der Börse

Am Mittwoch die US-Notenbank Fed, am Donnerstag dann Bank of England (BoE) und Europäische Zentralbank (EZB): Die Ergebnisse der drei großen Zentralbanksitzungen der vergangenen Woche waren ähnlich. Alle drei erhöhten ihre Zinssätze wie erwartet, aber die Kurse an den Aktienmärkten reagierten mit Aufschlägen.

Die Äußerungen der Zentralbankchefs in den anschließenden Pressekonferenzen wurden so interpretiert, dass die Zinsen vermutlich kurz vor ihrem Höhepunkt stehen könnten. Besonderes Gewicht für die Finanzmärkte hatte die Stellungnahme von US-Notenbankchef Jerome Powell zur Entwicklung der Finanzbedingungen in den USA.

Powell hatte in der Vergangenheit stets darauf hingewiesen, dass eine Lockerung der finanziellen Bedingungen die Bemühungen der Fed zur Inflationsbekämpfung untergraben würde. Jetzt sprach er davon, dass sich die finanziellen Bedingungen im vergangenen Jahr spürbar verschärft hätten.

Wie bitte? Das fragt auch Mohamed A. El-Erian: „Ich bin mir nicht sicher, welchen Index er verwendet, aber die gängigen Indizes zeigen, dass die finanziellen Bedingungen insgesamt so locker sind wie vor einem Jahr“, twitterte der Präsident des Queens‘ College der Cambridge University und Berater des deutschen Versicherungskonzerns Allianz.

Bestätigt wird El-Erian vom National Financial Conditions Index (NFCI) der Chicago Fed. Der Index liefert wöchentlich ein umfassendes Update über die finanziellen Bedingungen auf den Geldmärkten, den Anleihe- und Aktienmärkten sowie dem traditionellen und dem „Schatten“-Bankensystem in den USA. Der Index wird berechnet anhand eines gewichteten Durchschnitts von insgesamt 105 Indikatoren. Entgegen der Aussage von Powell hat sich der NFCI seit Mitte Oktober 2022 wieder spürbar abgeschwächt und ist auf das Niveau vom April des vergangenen Jahres zurückgefallen. Die finanziellen Bedingungen haben sich demnach in den vergangenen Monaten spürbar entspannt. Nahezu zeitlich mit dem Rückgang des NFCI starteten die Aktienmärkte ihre starke Erholungsrally.

Wieso aber haben sich die finanziellen Bedingungen in den vergangenen Monaten überhaupt entspannt? Die Fed hat doch die Zinsen weiter angehoben. Eine Erklärung liefert Felix Zulauf in einem Beitrag für das Schweizer Finanzportal „The Market“. Der weltweit viel beachtete Investor verweist auf ein Konto des US-Schatzamtes bei der Fed. Weil die US-Regierung bald die vom Kongress gesetzte Schuldengrenze erreichen werde, bezahle sie ihre Rechnungen über dieses Konto. Dadurch werden direkt Einlagen im Bankensystem geschaffen. Das wiederum bedeute eine Liquiditätszufuhr in das Finanzsystem. Seit Mitte vergangenen Jahres wurden so 700 Milliarden Dollar marktwirksam, sagt Zulauf. Das habe die Erholung an den Aktienmärkten maßgeblich ausgelöst. Der Kontostand schrumpfte zwischenzeitlich auf 300 Milliarden Dollar.

Mit dem Beginn der US-Steuersaison, die am 1. Januar beginnt und in diesem Jahr am 18. April (Tax Day) endet, füllt sich das Konto zwar wieder. Am 19. Januar aber hat die US-Regierung die vom Kongress definierte Schuldengrenze von aktuell 31.380 Milliarden Dollar bereits erreicht. Sollte das kumulierte Defizit im Verlauf des ersten Quartals über 400 Milliarden Dollar überschreiten, dann wäre die US-Regierung vor Mitte April technisch zahlungsunfähig.

„Der politische Zirkus im Kongress wird dafür sorgen, dass das Schuldenlimit nicht vorher erhöht wird“, sagt Zulauf. Deshalb könnten die Anleiherenditen trotz temporär rückläufiger Inflationsraten und einer sich abschwächenden Konjunktur nochmals steigen.

Zulauf hat eine weitere Entwicklung im US-Geldsystem beobachtet. In US-Geldmarktfonds steckten derzeit über 5000 Milliarden Dollar. Im Umlauf seien aber nur US-Staatsanleihen mit bis zu zwölf Monaten Laufzeit im Volumen von 3000 Milliarden Dollar. Die Geldmarktfonds seien ausgewichen auf so genannte Reverse Repurchase Agreements (RRP) bei der New Yorker Fed. Dabei kaufen die Geldmarktfonds von der Fed kurzfristige US-Staatspapiere, die sie nach wenigen Tagen wieder an die Fed zurückgeben. Dafür vereinnahmen sie einen Zins.

Damit entziehen die Geldmarktfonds dem Bankensystem Einlagen und engen die Kreditgewährung ein. Gleichzeitig zögen Anleger auch Geld bei Geldmarktfonds ab und zockten damit am Aktienmarkt. Das gebe den Eindruck einer stabilen Börse, obwohl die Konjunktur abkühlt, sagt Zulauf. „Wann dieses Kartenhaus einbricht, ist unklar, aber spätestens, wenn die Unternehmensergebnisse enttäuschen, wird eine unbequeme Wahrheit an die Oberfläche kommen. Sollte dies mit einer Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung zusammenfallen, dann würde die Stimmung wieder negativ und die Kurse fallen.“

Eine offene Flanke für die Börsen ist zudem die Lage in der Ukraine. Eine russische Großoffensive, die Militärexperten nicht ausschließen, dürfte an den Devisen- und Aktienmärkten einiges durcheinanderwirbeln. Denkbar, dass sich die Notenbanken auch auf diesen Fall vorbereiten. Es wäre schließlich ein willkommenes Argument, die Geldpolitik rasch wieder massiv zu lockern und so die Aktienmärkte nach oben zu schieben – bevor sich die Inflation wieder vehement zurückmeldet.

 

 

   

04.02.2023 – WirtschaftsWoche, Interview von Nell Rubröder, Luisa Bomke und Henrike Adamsen

Feri-Chef Renné: „Die Zeit, in der man mit fast jeder Immobilie Geld verdienen konnte, ist vorbei“

WirtschaftsWoche: Herr Renné , wie lief das Krisenjahr 2022? Haben Sie viel Anlegergeld verloren?

Marcel Renné: Wir sind um etwa fünf Prozent runtergegangen, auf 52 Milliarden Euro, hatten aber wenig Kündigungen. Die Leute sind aber immer noch in Schockstarre, weil sie nicht einschätzen können, wie es weitergeht.

Welche Veränderungen lösen denn die Starre der Anleger im Jahr 2023?

Es gibt wieder Zinsen. Das ist die schönste Veränderung. Dass sie allerdings sprunghaft angestiegen sind, war schlimm und hat in der Form überrascht. In dem aktuellen Zinsbereich können wir für unsere Kunden in Deutschland wieder schöne Portfolien aus Anleihen und Pfandbriefen zusammenstellen. Für Renditen von vier bis fünf Prozent müssen Anleger nicht mehr ins Risiko gehen. Wir können wieder mit klassischen Aktien- und Rentenfonds Geld verdienen. Über 40 Prozent unserer Vermögenswerte liegen in festverzinslichen Wertpapieren. Das war in den vergangenen Jahren ganz anders.

Bieten Sie Ihren Kunden auch Krypto-Währungen an?

Nein. Als Anlageklasse sind Krypto-Währungen nicht so aufgestellt, dass sie in die Portfolien unserer Kunden passen. Aber wir verstehen Krypto analytisch nicht. Daher werden wir es auch nicht umsetzen. Anders sieht das bei Digitalassets aus, also technischen Lösungen, die sich mit der Frage auseinandersetzen: Wie nutze ich die Blockchain, um Gemälde und andere Anlageformen zu digitalisieren und ihre Einzigartigkeit zu beweisen. Über die technische Umsetzung via Blockchain eröffnet sich eine noch breitere Investitionsbasis.

Was wird 2023 der größte Anlagetrend sein?

Es wird sicher viel Bewegung bei Kryptowährungen geben…

... also doch ...

Wie gesagt, wir werden es nicht mitmachen, weil es ein sehr spekulatives Umfeld ist. Ich erwarte aber durchaus zweistellige positive Renditen in den einzelnen Währungen. Die Frage ist: ist das wirtschaftlich hinterlegt? Aus meiner Sicht nicht. Mining zum Beispiel ist absolut nicht nachhaltig. Aber auch mit den klassischen Anlagen wird sich dieses Jahr Geld verdienen lassen. Wir werden eine ordentliche Rendite festverzinslicher Anlagen von vier bis fünf Prozent sehen. In der Aktienanlage gehen wir sogar von sechs bis acht Prozent aus.

Junge Anleger setzen auf Krypto-Währungen, wollen gleichzeitig aber auch mehr Nachhaltigkeit. Das zeigt sich auch bei der Wahl der Anlageformen von jungen Menschen. Wie viele Ihrer Kunden legen ihr Geld denn nachhaltig an?

Von allen Kundengeldern, die wir verwalten, sind aktuell ca. 10 Prozent in nachhaltige Anlagen investiert. Wir verwalten im Durchschnitt ein Privatkundenvermögen von ca. 8,5 Millionen Euro pro Familie. Dabei sind 30 Prozent, der von uns verwalteten Gelder, privat angelegt und 70 Prozent institutionell.

Ist Superreichen nachhaltiges Investieren nicht wichtig?

Primäres Ziel unserer vermögenden Kunden ist der Vermögenserhalt. Grundsätzlich legen wir das Geld unserer wohlhabenden Kunden nicht komplett anders an als das der junge Anleger. Wichtig ist vor allem, dass überhaupt angelegt wird, denn der Zinseszins-Effekt über einen langfristigen Zeitraum ist enorm, egal bei welcher Vermögensgröße. Deswegen fragen wir, wie risikobereit sind unsere Kunden? Das Jahr 2022 war in dieser Hinsicht interessant: Die deutsche 10-jährige Staatsanleihe, eine der vermeintlich sichersten Anlagen der Welt, hat 18 Prozent verloren. Das gab es zuletzt Ende des 17. Jahrhunderts. Da sieht man ein Flackern in den Augen des Anlegers, wenn dieser vorher fünf Millionen Euro angelegt hatte und jetzt nur noch vier Millionen Euro hat. Für wenig risikobewusste Kunden war 2022 die Wahl des richtigen Anlageklasse enorm schwierig. Eine der wenigen, mit denen man Geld verdienen konnte, waren in den letzten zwei Jahren Rohstoffe. Deshalb haben wir unsere großen Vermögen auch vermehrt dort investiert.

Von welchen Investitionen raten Sie den Superreichen dann aktuell ab?

Immobilien-Investments sind sehr viel anspruchsvoller geworden: Die Zinsen von Hypothekenkrediten liegen nicht mehr bei unter 1 Prozent wie noch 2021, sondern bei 3,6 Prozent. Und gerade die Projektentwicklung ist betroffen, weil sie oft sehr hoch fremdfinanziert ist. Die Phase der jahrelangen Sonderkonjunktur, in der man mit fast jeder Immobilie Geld verdienen konnte, ist vorbei.

Einen Wandel sehen wir auch bei den großen Tech-Unternehmen. Da ist gerade viel Bewegung drin, das zeigt sich an der großen Zahl von Entlassungen. Der positive Effekt der Kursschwankungen bei den Tech-Unternehmen ist allerdings, dass der US-Index S&P 500 nicht mehr von vier bis fünf Big Tech-Unternehmen dominiert wird. Die Indizes erholen sich und sind wieder breiter aufgestellt. Ein Index, der von fünf Werten getrieben wird, ist kein ausgewogener Index.

Sie sagen, mit Immobilien lässt sich künftig nur schwer Geld verdienen. Glauben Sie, die Immobilienblase wird platzen?

Nicht in den nächsten zwei, drei Jahren. Die Preise werden vielleicht sinken, aber da wird nichts platzen. Die Frage ist: Wie heiß wurden einige Reifen gefahren bei der Finanzierung? Die letzte Finanzierung zu unter einem Prozent war vor ungefähr anderthalb Jahren. Interessant wird es in fünf bis sieben Jahren werden, wenn die Refinanzierung kommt. Wie stehen die Immobilien dann als Anlageklasse da? Da kann ich mir vorstellen, dass Unruhe in den Markt kommen wird.

Aber grundsätzlich bleiben Immobilien Bestandteil des Portfolios?

Sie gehören auf jeden Fall dazu.

Ihre Anleger sind eher konservativ und auf Sicherheit aus. Wie passt das damit zusammen, dass sie in Hedgefonds und Private Equity anlegen?

Wir haben 15 Milliarden Euro in alternativen Investments angelegt. Dazu gehören für uns Private Market Investments, Hedgefonds und unsere Volatilitätsstrategien, die wir selbst managen. Über die letzten 25 Jahre hinweg haben wir eine Datenbank aufgebaut, in der wir Informationen über Hedgefondsmanager weltweit aufbereiten. Das geht bis zum Führungszeugnis. Wir wissen, was wir tun und haben eine große Transparenz über diese sehr intransparenten Anlageklassen. Das heißt aber nicht, dass in diesen Assetklassen Rückschläge ausgeschlossen sind. Letztes Jahr hat die Mehrzahl unserer Hedgefondskonzepte ein positives Ergebnis erzielt.

Warum gehen Ihre Kunden dann nicht direkt zu BlackRock und Co., die sich damit ja noch mehr auseinandersetzen?

Diese Häuser haben ein sehr großes eigenes Interesse Produkte zu verkaufen. Das ist bei uns anders. Wir beschäftigen uns intensiv mit der Suche nach den besten Managern, in die wir investieren. Natürlich brauchen wir Transparenz und eine gewisse Historie, um sicher zu sein, dass der Manager auch in den verschiedenen Marktphasen gut funktioniert hat. Die Achterbahnfahrt 2020 bis Ende 2022 hat gezeigt, welche Manager sich in schwierigen Phasen gut bewegen können.

Wird 2023 das befürchtete Jahr der Rezession?

Mit der Kursentwicklung der letzten 14 Tage im Rücken blicken wir positiv auf dieses Jahr. Denn sie zeigt: Es ist immer noch genügend Geld in Umlauf, das investiert werden möchte. All das, was 2022 schlimm war, ist 2023 wieder in Ordnung. Die Energiepreise gehen runter. Wirtschaftsminister Robert Habeck hat im Jahreswirtschaftsbericht die Wachstumsziele nach oben revidiert. Wir erwarten keine tiefe, einschneidende Rezession und werden 2023 mit einem blauen Auge davonkommen.

Ein Unsicherheitsfaktor in den vergangenen Jahren war auch China. Wie blicken Sie auf das Land?

Der Sonderfaktor China ist ein zusätzlicher Konjunkturtreiber, den man nicht vergessen darf. Für Deutschland, aber auch für Europa insgesamt, ist China von großer Bedeutung, gerade nach dem „Re-opening“ des Landes. Wir investieren auch in chinesische Aktien, gerade in die jungen Technologieunternehmen in China. Wie weit man als Firma dort gehen sollte, ist eine schwierige Frage. Die habe ich auch für mich selbst noch nicht beantwortet. Immerhin ist es der zweitgrößte Wirtschaftsraum der Welt.

Laut Christine Lagarde wird die Europäische Zentralbank an ihrem Kurs der rezessiven Geldpolitik festhalten. Was erwarten Sie von den Zentralbanken 2023?

Die weiteren Zinserhöhungen der EZB dürften keinen großen Aha-Effekt nach sich ziehen. Die Märkte haben die Entscheidung schon längst vorweggenommen. Allerdings macht uns die extrem inverse Zinsstruktur in Amerika Sorgen. Laut Statistik ist das ein sicheres Anzeichen für eine bevorstehende Rezession. Wenn die amerikanische Notenbank den Fehler macht, jetzt locker zu lassen, um dann im dritten Quartal den Zins aufgrund anhaltender Inflation doch wieder anzuheben, wird das der Wirtschaft einen deutlichen Dämpfer verpassen. Das ist unser größtes Risiko-Szenario, auch wenn wir dem nicht allzu viel Gewicht geben.

Und was ist das größte Positiv-Szenario für 2023?

Um die positiven Kursentwicklungen seit Jahresbeginn zu untermauern, brauchen wir stabile Unternehmensgewinne. Doch die Gewinnprognosen sind rückläufig. Nicht umsonst entlassen gerade auch viele große Unternehmen ihre Mitarbeiter. Um dem entgegenzuwirken, müsste die Inflation auf vier, besser drei Prozent sinken. Wenn dann auf Seiten des Zinses der Druck nachlässt und wir an der Rezession vorbei schrammen, würde sich das sehr positiv auf die Märkte auswirken. Aber das Thema Zinsen ist noch nicht durch.