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Das aktuelle Marktgeschehen im Blick
Freitag, 21.08.2026
von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank
DAX: Pattsituation bei 26.000 Punkten
Was wir im DAX in dieser Woche gesehen haben, ist nicht viel mehr als ein technischer Rücksetzer zurück auf das alte Juli-Hoch bei 26.000 Punkten. Nun müssen die Käufer am heutigen kleinen Verfallstag beweisen, dass sie diesen Kurs bereits wieder als günstig und nicht mehr wie noch vor gut vier Wochen als viel zu teuer erachten. Die Dip-Käufer scheinen angesichts der Querelen am Anleihemarkt, die sich nicht vollends legen wollen, noch nicht so richtig motiviert zu sein.
Pattsituation am Markt
Der Gewinnschub der Unternehmen im zurückliegenden Vierteljahr tröstet über so manche Delle hinweg, die hohe Ölpreise, steigende Renditen und geopolitische Sorgen angerichtet haben. Der Eingriff des amerikanischen Finanzministeriums zur Senkung langfristiger Renditen kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Verschuldung der Vereinigten Staaten gerade die 40-Billionen-Dollar-Grenze überschritten hat.
Bond-Bazooka Bessents mit Fragezeichen
Die Bond-Bazooka des amerikanischen Finanzministers kommt am Markt nicht so richtig gut an. Die Renditen sind gestern wieder gestiegen. Die Zweifel sind zu groß, was die Auswirkungen sein werden, wenn Regierungen und KI-Unternehmen alle gleichzeitig um die gleichen Kreditangebote buhlen müssen. Diese Gemengelage zwingt die DAX-Anleger gerade in eine gewisse Pattsituation.

Jochen Stanzl ist Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Zuvor war er zehn Jahre lang bei einem Broker in Frankfurt tätig und ist Mitgründer der stock3 AG, deren Aufsichtsratsmitglied er bis heute ist. Für die Kunden der Consorsbank teilt er seit November 2025 seine Börsenerfahrung von fast einem Vierteljahrhundert.
Rechtliche Hinweise
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Es sind große Begriffe wie Zeitenwende, NATO-Ziel, Drohnenkrieg und Sondervermögen – aber trotzdem fallen die Kurse im Rüstungssektor. Auch KI ist kein Garant mehr für Kursgewinne. Beide Entwicklungen sind verwandt und deuten auf einen potenziell ruppigen Spätsommer an der Börse hin.
Denn beide Entwicklungen haben dieselbe Ursache: Anleger haben Aktien aus den Sektoren Rüstung und KI gekauft, ohne kritische Fragen zu stellen. Das ging gut, solange die Kurse stiegen. Jetzt ist Sand im Getriebe der Kursentwicklung, und die Fragen werden lauter.
Dabei geht es ursächlich nicht unbedingt um die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung. Die Industriezweige Rüstung und KI werden sich voraussichtlich weiterhin stark entwickeln. Was sich verändert hat, ist die Anlegerstimmung. Die Kurse steigen an der Börse immer so weit, bis die Erwartungen den tatsächlichen Entwicklungen ungefähr entsprechen.
An diesem Punkt fangen die Anleger dann an, zunehmend kritische Fragen zu stellen. Einfach nur die Erwartungen zu erfüllen, scheint dann zu wenig. Nur ein sehr positiver Soll-Ist-Abgleich in den Bilanzen zählt. Aber auch nur, wenn die Anleger selbst im Geschäftsausblick kein sprichwörtliches Haar in der Suppe finden.
Aus einem steilen Kursanstieg kann auf diesem Weg eine Seitwärtsbewegung werden, oft begleitet von hohen Kursschwankungen. Auch eine Korrektur ist dann nicht mehr ausgeschlossen, wenn die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllt werden.
Zum Hinterfragen hoher Bewertungen gehört auch der Ausblick auf die Zinsen für den Rest des Jahres. Ob die Zentralbanken die Leitzinsen erneut anheben, ist von der weiteren Entwicklung der Inflation abhängig. Zweitrundeneffekte, also erneute Preissteigerungen, lassen sich wegen der gestiegenen Energiepreise als Folge der Irankrise nicht ausschließen. Werden die Zinsen weiter angehoben, verringern sie den heutigen Wert zukünftiger Unternehmensgewinne und treffen daher insbesondere Wachstumsaktien, deren Erträge überwiegend in der Zukunft erwartet werden.
Die Anleger müssen nun also abwägen: Haben die großen Indizes MSCI World oder FTSE All World, die seit Jahresbeginn bereits prozentual zweistellig angestiegen sind, schon genug Fantasie eingepreist? Oder könnten die anstehenden Börsengänge von Anthropic und den chinesischen Konkurrenten DeepSeek und Moonshot vielleicht neuen Schwung an die Börse bringen?

