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Das aktuelle Marktgeschehen im Blick
Mittwoch, 08.04.2026
von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank
DAX steigt steil an – Waffenstillstand bringt Perspektive auf Frieden
Die USA und der Iran einigen sich nach sechs Wochen Krieg auf einen Waffenstillstand. Für die Märkte ist es das Signal, auf das sie seit Wochen gewartet haben. Der Anstieg des DAX im elektronischen Handel um mehr als 3 Prozent zeigt das Ausmaß der Erleichterung, das Anleger verspüren. Ein starkes Unterinvestment in Aktien trifft auf die Aussicht auf Frieden und das löst wochenlang aufgestaute Kauforders aus, die wegen des Kriegs zurückgehalten wurden. Das Resultat sind kräftig steigende Kurse. Der Anstieg des DAX über 23.500 Punkte signalisiert die Bereitschaft der Anleger, damit zu beginnen, den Irankrieg als dominantes Thema abzustreifen und sich wieder ins Risiko zu wagen.
Nur eine Wachstumsdelle?
Die Anleger ziehen das Risiko eines Ölpreisanstiegs auf 120 Dollar oder mehr kurzfristig nicht mehr in ihr Kalkül. Stattdessen erscheint eine Etablierung des Brent-Ölpreises um 100 Dollar wieder wahrscheinlicher. Der Freudensprung an den Aktienmärkten fußt auf der Erwartung, dass der Hochpunkt beim Ölpreis nun hinter uns liegen könnte und die Weltwirtschaft noch einmal mit einem blauen Auge davonkommt. Mit fallenden Ölpreisen sinkt zudem die Wahrscheinlichkeit, dass die EZB die Leitzinsen anheben wird. Das Stagflationsrisiko wird ausgepreist. Die Aufmerksamkeit der Anleger verlagert sich nun auf die Straße von Hormus und auf die Frage, ob der Iran den Worten auch Taten folgen lässt und bislang als feindlich angesehene Tanker tatsächlich passieren lässt.
TACO-Trader bekommen Recht
Konflikte, die mit Trump begonnen haben, endeten bislang mit einem Deal. Die Hoffnung der Anleger, dass der Irankrieg keine Ausnahme von dieser Regel darstellt, scheint sich nun zu bewahrheiten. Der Last-Minute-Deal gibt den TACO-Tradern wieder einmal Recht. Der Waffenstillstand kauft Zeit, um ein Abkommen für einen dauerhaften Frieden zu finden. Es gibt Grund zur Hoffnung, eine dauerhafte Beilegung des Irankriegs ist jedoch noch fern. Den Börsen reicht es vorerst, wenn die Lage in diplomatisches Fahrwasser zurückkehrt und sich nicht weiter zu jener Eskalationsspirale verdichtet, die zuletzt immer schneller Fahrt aufgenommen hatte.
Jochen Stanzl ist Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Zuvor war er zehn Jahre lang bei einem Broker in Frankfurt tätig und ist Mitgründer der stock3 AG, deren Aufsichtsratsmitglied er bis heute ist. Für die Kunden der Consorsbank teilt er seit November 2025 seine Börsenerfahrung von fast einem Viertel Jahrhundert.
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Gold gilt traditionell als "sicherer Hafen". Umso erstaunlicher wirkt es, wenn der Preis in einer Zeit geopolitischer Spannungen fällt. Dahinter stecken mehrere Gründe, die auch über 2026 hinaus wichtig bleiben könnten.
Ein wichtiger Punkt ist das Verhalten großer Käufer. Zum Beispiel hat Polen in den vergangenen Jahren massiv Gold aufgebaut. Jetzt aber diskutiert die Regierung offen darüber, Teile dieser Bestände zur Finanzierung steigender Rüstungsausgaben zu verkaufen. Solche politischen Eingriffe verändern die Stimmung am Markt: Wird aus einem großen Käufer plötzlich ein möglicher Verkäufer, kann das den Preis drücken. Gleichzeitig sorgt die Auseinandersetzung zwischen polnischer Regierung und Zentralbank für zusätzliche Unsicherheit, weil sie das Prinzip der geldpolitischen Unabhängigkeit berührt.
Auch Russland hat Gold verkauft, um fehlende Einnahmen aus Öl und Gas auszugleichen. Dieser Verkaufsdruck könnte aber nachlassen: Denn wenn US-Sanktionen gelockert werden und die Ölpreise steigen, verdient Russland wieder mehr. Höhere Energieerlöse entlasten den Staatshaushalt – und reduzieren den Zwang, Reserven wie Gold zu verkaufen.
Hinzu kommt der geldpolitische Ausblick. Sowohl in Europa als auch in den USA steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbanken die Leitzinsen anheben oder dies zumindest vorbereiten. Steigende Zinsen erhöhen die Attraktivität verzinslicher Anlagen – und machen Gold, das keine laufenden Erträge bietet, weniger interessant.
Gleichzeitig wird der US-Dollar stärker. Das liegt weniger an einer besonders starken Wirtschaft, sondern daran, dass viele Anleger eine sichere und gut handelbare Option für ihr Geld suchen. Trotzdem belastet ein stärkerer Dollar den Goldpreis, weil Gold global in Dollar gehandelt wird.
Schließlich hat Gold zuvor sehr schnell sehr stark zugelegt. Der Anstieg um über 2.100 US-Dollar von September 2025 bis Januar 2026 – also binnen kürzester Zeit – wirkte überzogen. Jetzt wird ein Teil dieser Bewegung wieder korrigiert. Auffällig ist zudem, dass Gold zunehmend, wie ein risikoreiches Investment agiert: Steigt die Unsicherheit abrupt, fällt der Preis mitunter zusammen mit Aktien. Die klassische „sicherer Hafen“-Funktion ist daher aktuell überlagert durch den Bedarf, spekulative Exzesse des alten Jahres abzubauen.
Das bedeutet aber nicht, dass Gold seinen Status als „sicherer Hafen“ verloren hat. Vielmehr erlebt der Markt eine Art technische Bereinigung. Kurzfristig bleibt der Preis schwankungsanfällig, langfristig könnte Gold aber weiter glänzen.
Regelmäßige aktuelle Einschätzungen finden Sie auf Consorsbank – YouTube – Marktkommentare von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst Consorsbank.