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Das aktuelle Marktgeschehen im Blick
Montag, 05.10.2026
von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank
DAX: Anleger kommen am Thema Politik nicht vorbei
Der DAX hat sich zum Wochenausklang kräftig erholt. Diese Kurserholung steht aber unter dem Verdacht, vor allem technisch getrieben zu sein, nachdem der Index am Vortag aus einer mehrwöchigen Handelsspanne nach unten herausgefallen war. Eines lässt sich festhalten: Die Schwankungen haben zugenommen und sie wirken in beide Richtungen – auch nach oben. Ein neuer Trend wird dadurch noch nicht begründet. Für eine Bodenbildung benötigt der Index mindestens ein bis zwei Wochen – und darf in dieser Zeit auch keine neuen Tiefs mehr ausbilden. Bis dahin bleibt seit dem Rekordhoch im August ein intakter Abwärtstrend.
Politische Unsicherheit nimmt zu
Der Euro steht bereits seit Wochen unter Druck. Die Angst vor den politischen Folgen vorgezogener Neuwahlen in Spanien verstärkt diesen Druck. Der Absturz des Euro ist für den DAX Segen und Fluch: Die meisten Unternehmen im Index profitieren durch bessere Exportaussichten von einer Währungsabwertung, doch sie trägt zu einer bereits bestehenden politischen Unsicherheit bei, die internationale Investoren einen zunehmend großen Bogen um europäische Aktien machen lässt. Deutsche Landtagswahlen, die auf einen politischen Umbruch hindeuten, Massenproteste und mögliche Neuwahlen in Spanien, die Zwischenwahlen in den USA und die französischen Wahlen im Frühjahr – im nächsten halben Jahr wird man als Anleger an dem Thema Politik nicht vorbeikommen.
Ölpreise geben nach
Die OPEC+ behält ihre Quoten bei. Eine weitere Anhebung wäre am Markt vermutlich ohnehin verpufft. Die Ölpreise notieren nicht aufgrund eines Mangels an Rohöl bei über 100 Dollar. Es sind Rekordkosten für Versicherungen, Unterbrechungen im internationalen Seeverkehr und Engpässe bei den Raffinerien, die Preisdruck erzeugen. Die Dieselexporte aus dem Persischen Golf sind nur bei etwas mehr als der Hälfte der Vorkriegsmengen angelangt, und immer mehr Länder – darunter auch die USA – denken über einen Exportstopp nach oder haben diesen bereits beschlossen. Der Beschluss der OPEC+ trägt damit der Erkenntnis Rechnung, dass derzeit nicht die Fördermenge, sondern die gestörten Transport- und Verarbeitungskapazitäten das eigentliche Problem sind.

Jochen Stanzl ist Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Zuvor war er zehn Jahre lang bei einem Broker in Frankfurt tätig und ist Mitgründer der stock3 AG, deren Aufsichtsratsmitglied er bis heute ist. Für die Kunden der Consorsbank teilt er seit November 2025 seine Börsenerfahrung von fast einem Vierteljahrhundert.
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Kennen Sie das Gefühl, wenn man merkt, dass die Spielregeln plötzlich geändert wurden? Genau so geht es derzeit vielen Kapitalmarktexperten. Robert Halver von der Baader Bank bringt es im Consorsbank Podcast „Deep in the Money“ auf den Punkt: Die Ära der stabilen Preise, wie einige es noch aus Nachkriegszeit kennen, könnte vorbei sein.
Was bedeutet das konkret für Ihr Geld? Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse aus dem Gespräch:
Die neue Strategie der Notenbanken: Bisher war es das Ziel der Zentralbanken (die Institutionen, die Geldmenge und Zinsen steuern), die Inflation aktiv zu bekämpfen. Halver glaubt jedoch, dass dies nicht mehr möglich ist.
Bei einer weltweiten Verschuldung von über 300 Billionen Dollar sei es „finanzmathematisch“ kaum machbar, diese Schulden klassisch zurückzuzahlen. Die Vermutung: Man lässt die Inflation bewusst zu, damit die reale Last der Staatsschulden mit der Zeit „aufgefressen“ wird.
Zinspapiere vs. Aktien: Wer heute stark auf Zinspapiere (wie z. B. Staatsanleihen oder Festgeld) setzt, geht laut Halver ein hohes Risiko ein. Warum? Weil die nominalen Zinsen – also der reine Prozentsatz, den die Bank verspricht – oft kaum die Inflationsrate ausgleichen.
Die Alternative: Aktien. Unternehmen können steigende Kosten oft durch höhere Preise an Kunden weitergeben und so einen natürlichen Inflationsausgleich schaffen. Ein Beispiel: Der US-Index S&P 500 (die 500 größten börsennotierten US-Unternehmen) hat sich seit der Finanzkrise 2008 verzehnfacht.
KI-Boom: Mehr als nur ein Hype? Viele fragen sich, ob wir bei der künstlichen Intelligenz (KI) in einer Blase stecken, ähnlich wie beim Dotcom-Krach um die Jahrtausendwende. Halver sieht das anders. Da KI ein geopolitischer Wettlauf zwischen den USA und China ist, wird der Investitionszyklus (prognostiziert über 1.000 Milliarden Dollar im nächsten Jahr) langfristig intakt bleiben. Der entscheidende Unterschied zur damaligen Internetblase: Die Technologie wird bereits heute aktiv geliefert und genutzt.
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