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Das aktuelle Marktgeschehen im Blick
Freitag, 20.02.2026
von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank
DAX bleibt über 25.000 Punkten – Irankonflikt belastet
Die Bereitschaft zu sofortigen Gewinnmitnahmen nach einem einzigen starken Tag deutet auf eine hohe Beteiligung kurzfristiger Händler hin. Die Möglichkeit eines unmittelbar bevorstehenden Angriffs der USA auf den Iran lässt eine ungezügelte Rally im DAX derzeit nicht zu. Der Anstieg des Ölpreises mahnt die Anleger, es mit dem Risiko vor dem Wochenende nicht zu übertreiben.
Irankonflikt belastet
Die Ölmärkte haben damit begonnen, ein wachsendes Risiko eines militärischen Konflikts zwischen den USA und dem Iran einzupreisen. Dabei steht weniger die tatsächliche iranische Ölproduktion als vielmehr die Möglichkeit einer Blockade der Straße von Hormus im Zentrum der Aufmerksamkeit. Durch die Meerenge werden täglich rund 20 Millionen Barrel Erdöl transportiert, das entspricht gut einem Fünftel des weltweiten Bedarfs. Sie ist außerdem der wichtigste Transportweg für LNG nach Europa. Die Risiken für das europäische LNG-Angebot kommen ausgerechnet zu einer Zeit, in der die Lagerfüllstände bereits niedrig sind. Niedrige Gasspeicher lassen kaum Spielraum für zusätzliche Belastungsproben. Die europäischen Gaspreise könnten daher empfindlicher reagieren als der Ölpreis, dessen weltweite Lager überdurchschnittlich gefüllt sind.
Hoffnung auf Inflationsrückgang
Heute werden in den USA richtungsweisende Inflationsdaten veröffentlicht. Nachdem starke Arbeitsmarktdaten für Januar die Zinshoffnungen zurückgedrängt haben, wäre ein Rückgang der zuletzt hartnäckig hohen Kerninflation wichtig, um die Hoffnungen auf zwei Zinssenkungen der US-Notenbank zu erhalten. Die Kerninflation ist seit Monaten zu hoch und verhindert innerhalb der US-Notenbank Mehrheiten, die sich für Zinssenkungen aussprechen. Eine weitere „Zwei vor dem Komma“ bei der Kerninflation würde wohl bereits genügen, um die Gemüter zu beruhigen.
Jochen Stanzl ist Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Zuvor war er zehn Jahre lang bei einem Broker in Frankfurt tätig und ist Mitgründer der stock3 AG, deren Aufsichtsratsmitglied er bis heute ist. Für die Kunden der Consorsbank teilt er seit November 2025 seine Börsenerfahrung von fast einem Viertel Jahrhundert.
Rechtliche Hinweise
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Sitz: Nürnberg HRB Nürnberg 31129 USt-IdNr. DE191528929 BIC: CSDBDE71 | BLZ: 760 300 80
Der DAX startet turbulent ins neue Jahr. Nach einem starken Auftakt hat der Index inzwischen seine gesamten Gewinne seit Jahresbeginn wieder abgegeben – ausgelöst durch neue Zolldrohungen von US-Präsident Trump, die die nervösen Märkte verunsichert haben. Die Warnung vieler Experten, dass Anleger außergewöhnlich gering abgesichert sind, hat sich damit als richtig erwiesen: Die unerwartete Zolldrohung führte zu einem dramatischen Rücksetzer.
Am grundlegenden Trend ändert das jedoch wenig – sofern die Zolldrohungen nicht in konkrete Maßnahmen münden. Denn die Kräfte, die die alte Industrie zurück auf die Favoritenlisten der Anleger bringen, wirken weiter mit hoher Dynamik.
Die Explosion bei KI‑Rechenzentren bleibt der zentrale Treiber. Die dafür benötigten Serverfarmen verschlingen enorme Mengen an Kupfer, Aluminium, Nickel, Silber, Beton und Seltenen Erden. Kupfer und Silber markieren Rekordstände, weil das Angebot begrenzt ist und Jahre der Unterinvestition nun Engpässe schaffen. Die alte Industrie profitiert unmittelbar und nachhaltig von dieser Entwicklung.
Gleichzeitig stützen massive staatliche Investitionsprogramme weltweit den Trend. Infrastruktur, Energie und Rüstung werden mit Milliarden gefördert – nicht nur in den USA und in Deutschland. Neue Fabriken für Rüstungsprojekte erhöhen den Kapitalbedarf und stärken auch den Bankensektor.
2025 erlebten Value-Aktien ein Comeback nach 8 Jahren Tech-Dominanz. Die neuen Schwerpunkte – Industrie, Bau, Rüstung, Infrastruktur und KI‑Rechenzentren – wirken wie maßgeschneiderter Rückenwind für diese Unternehmen.
Hier spielt der DAX seine besondere Stärke aus: Kaum ein anderer Index ist so stark mit Industrie-, Bank- und Rüstungswerten besetzt. Die Zusammensetzung des Index trifft exakt den Nerv der Zeit – entsprechend stark fiel der Anstieg zum Jahresstart aus, bevor die jüngsten Zolldrohungen ihn ausbremsten.
Außerdem gibt es viele Anleger, die nicht mit jeder Aktion von US‑Präsident Trump einverstanden sind. Wegen Venezuela, Grönland, den wiederholten Zolldrohungen oder wachsenden Zweifeln an der Wahrung der Unabhängigkeit der US‑Notenbank – die Liste ist lang – halten sie Ausschau nach Alternativen zu US‑Aktien, wovon der DAX strukturell profitiert.
Fazit: Die Renaissance der alten Industrie ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines gezielten Kalküls taktischer Anleger, steigenden Rohstoffbedarfs, massiver staatlicher Investitionsprogramme, geopolitischer Realitäten und des KI‑Rechenzentrumsbooms. Für Anleger bleibt der DAX damit einer
der großen Gewinner – solange sich die politischen Risiken nicht materialisieren.
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Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für die künftige Wertentwicklung.