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Das aktuelle Marktgeschehen im Blick
Donnerstag, 16.04.2026
von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank
DAX bleibt verhalten – Optimismus treibt globale Aktienmärkte
Während der DAX noch zögert, lässt wachsender Optimismus im Irankonflikt weltweite Aktien neue Rekordkurse erklimmen. Was wir hier sehen, ist eine für Aktienmärkte typische Entwicklung: Die Psychologie der Anleger hat sich von extremer Angst über eine neutrale Haltung bis hin zu – aktuell – Gier gewandelt. Die Messlatte der Anleger hängt damit immer höher. Im Moment kaufen viele, um erst später Fragen zu stellen. Der Zeitpunkt für Fragen wird jedoch kommen. Die Ungeduld über die Fortschritte in den Verhandlungen zwischen Iran und den USA wird zunehmen, wenn die Ergebnisse ausbleiben.
FOMO-Rally entfaltet sich
Die Kursrally bei globalen Aktien ist vor allem psychologisch getrieben. In einem Umfeld zunehmender Gier und der Angst, Kursanstiege zu verpassen, müssen sich Nachrichten nahezu ideal entwickeln. Darin liegt das Risiko. Es wäre überraschend, wenn der Krieg ebenso abrupt enden würde, wie er begann. Die ungeklärten Fragen rund um die Straße von Hormus können nicht so schnell gelöst werden, wie sich das in der V förmigen, steilen Kurserholung etwa im S&P 500 Index oder im FTSE All World Index widerspiegelt.
Schnelle Rückkehr zum Status quo
Dennoch setzen die Anleger auf eine schnelle Rückkehr zum Status Quo. Chinas BIP wächst 5%. Hohe Energiepreise werden im laufenden Quartal also auf eine Konjunktur treffen, die dynamisch ins neue Jahr gestartet ist. Anleger könnten daraus die Hoffnung ableiten, dass Chinas Konjunkturdaten als Blaupause für die anlaufende Berichtssaison taugen – und der Irankonflikt sich letztlich lediglich als temporäre Wachstumsdelle erweist. Eine Kehrtwende gibt es auch bei den Zinserwartungen. Anleger rücken von der Annahme ab, dass die EZB die Zinsen anheben wird. Auch wenn die Ölpreise auf absehbare Zeit hoch bleiben dürften, wird das Inflationsgespenst langsam, aber stetig vom Parkett gedrängt.
Jochen Stanzl ist Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Zuvor war er zehn Jahre lang bei einem Broker in Frankfurt tätig und ist Mitgründer der stock3 AG, deren Aufsichtsratsmitglied er bis heute ist. Für die Kunden der Consorsbank teilt er seit November 2025 seine Börsenerfahrung von fast einem Viertel Jahrhundert.
Rechtliche Hinweise
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Gold gilt traditionell als "sicherer Hafen". Umso erstaunlicher wirkt es, wenn der Preis in einer Zeit geopolitischer Spannungen fällt. Dahinter stecken mehrere Gründe, die auch über 2026 hinaus wichtig bleiben könnten.
Ein wichtiger Punkt ist das Verhalten großer Käufer. Zum Beispiel hat Polen in den vergangenen Jahren massiv Gold aufgebaut. Jetzt aber diskutiert die Regierung offen darüber, Teile dieser Bestände zur Finanzierung steigender Rüstungsausgaben zu verkaufen. Solche politischen Eingriffe verändern die Stimmung am Markt: Wird aus einem großen Käufer plötzlich ein möglicher Verkäufer, kann das den Preis drücken. Gleichzeitig sorgt die Auseinandersetzung zwischen polnischer Regierung und Zentralbank für zusätzliche Unsicherheit, weil sie das Prinzip der geldpolitischen Unabhängigkeit berührt.
Auch Russland hat Gold verkauft, um fehlende Einnahmen aus Öl und Gas auszugleichen. Dieser Verkaufsdruck könnte aber nachlassen: Denn wenn US-Sanktionen gelockert werden und die Ölpreise steigen, verdient Russland wieder mehr. Höhere Energieerlöse entlasten den Staatshaushalt – und reduzieren den Zwang, Reserven wie Gold zu verkaufen.
Hinzu kommt der geldpolitische Ausblick. Sowohl in Europa als auch in den USA steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbanken die Leitzinsen anheben oder dies zumindest vorbereiten. Steigende Zinsen erhöhen die Attraktivität verzinslicher Anlagen – und machen Gold, das keine laufenden Erträge bietet, weniger interessant.
Gleichzeitig wird der US-Dollar stärker. Das liegt weniger an einer besonders starken Wirtschaft, sondern daran, dass viele Anleger eine sichere und gut handelbare Option für ihr Geld suchen. Trotzdem belastet ein stärkerer Dollar den Goldpreis, weil Gold global in Dollar gehandelt wird.
Schließlich hat Gold zuvor sehr schnell sehr stark zugelegt. Der Anstieg um über 2.100 US-Dollar von September 2025 bis Januar 2026 – also binnen kürzester Zeit – wirkte überzogen. Jetzt wird ein Teil dieser Bewegung wieder korrigiert. Auffällig ist zudem, dass Gold zunehmend, wie ein risikoreiches Investment agiert: Steigt die Unsicherheit abrupt, fällt der Preis mitunter zusammen mit Aktien. Die klassische „sicherer Hafen“-Funktion ist daher aktuell überlagert durch den Bedarf, spekulative Exzesse des alten Jahres abzubauen.
Das bedeutet aber nicht, dass Gold seinen Status als „sicherer Hafen“ verloren hat. Vielmehr erlebt der Markt eine Art technische Bereinigung. Kurzfristig bleibt der Preis schwankungsanfällig, langfristig könnte Gold aber weiter glänzen.
Regelmäßige aktuelle Einschätzungen finden Sie auf Consorsbank – YouTube – Marktkommentare von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst Consorsbank.