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Das aktuelle Marktgeschehen im Blick
Mittwoch, 05.08.2026
von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank
Neuer Rekord: DAX profitiert gleich dreifach
Drei der hauptsächlichen Belastungsfaktoren der letzten Zeit – steigende Renditen, höhere Ölpreise und Sorgen um KI-Investitionen – lassen gleichzeitig nach und treiben den DAX auf ein neues Rekordhoch. Anleger wagen sich zurück in KI- und Chipaktien, da sie hoffen, dass der Markt nach der Auflösung spekulativer und gehebelter Positionen bereinigt ist und bereit sein könnte, einen Boden auszubilden. Die Ölpreise profitieren von der Hoffnung auf eine baldige Lösung wenn nicht im Iran-, dann aber doch im Hormus-Konflikt. Und die Renditen reagieren auf nachlassende Zins- und Inflationsängste, weil die Ölpreise nachgeben.
Erstaunliche Marktreaktionen
Jedes Mal, wenn die USA den Iran angreifen und danach bekanntgeben, dass es einen Waffenstillstand gibt, stehen die Kurse höher als zuvor – obwohl eigentlich keine Fortschritte im Konflikt zu sehen sind. Dieses Marktverhalten ist erstaunlich und kann eigentlich nur damit erklärt werden, dass die Anleger weiterhin in Aktien investiert sein wollen, um vom anhaltenden Gewinnwachstum profitieren zu können.
Starke Berichtssaison stützt die Stimmung
Die Berichtssaison hat die Anleger in ihrem Glauben bestärkt, dass die hohen Investitionen in das KI-Thema Bestand haben und weiter ausgebaut werden. Zugleich wurden Sorgen zerstreut, dass die Hyperscaler an einen Punkt gelangen könnten, an dem sie sich eingestehen müssen, bei ihren Ausgaben vielleicht übersteuert zu haben. Die Bilanzen aus dem Techsektor zeigen, dass die großen Unternehmen ihre KI-Investitionen weiter hochfahren. Ein Ende scheint nicht in Sicht.

Jochen Stanzl ist Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Zuvor war er zehn Jahre lang bei einem Broker in Frankfurt tätig und ist Mitgründer der stock3 AG, deren Aufsichtsratsmitglied er bis heute ist. Für die Kunden der Consorsbank teilt er seit November 2025 seine Börsenerfahrung von fast einem Vierteljahrhundert.
Rechtliche Hinweise
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Es sind große Begriffe wie Zeitenwende, NATO-Ziel, Drohnenkrieg und Sondervermögen – aber trotzdem fallen die Kurse im Rüstungssektor. Auch KI ist kein Garant mehr für Kursgewinne. Beide Entwicklungen sind verwandt und deuten auf einen potenziell ruppigen Spätsommer an der Börse hin.
Denn beide Entwicklungen haben dieselbe Ursache: Anleger haben Aktien aus den Sektoren Rüstung und KI gekauft, ohne kritische Fragen zu stellen. Das ging gut, solange die Kurse stiegen. Jetzt ist Sand im Getriebe der Kursentwicklung, und die Fragen werden lauter.
Dabei geht es ursächlich nicht unbedingt um die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung. Die Industriezweige Rüstung und KI werden sich voraussichtlich weiterhin stark entwickeln. Was sich verändert hat, ist die Anlegerstimmung. Die Kurse steigen an der Börse immer so weit, bis die Erwartungen den tatsächlichen Entwicklungen ungefähr entsprechen.
An diesem Punkt fangen die Anleger dann an, zunehmend kritische Fragen zu stellen. Einfach nur die Erwartungen zu erfüllen, scheint dann zu wenig. Nur ein sehr positiver Soll-Ist-Abgleich in den Bilanzen zählt. Aber auch nur, wenn die Anleger selbst im Geschäftsausblick kein sprichwörtliches Haar in der Suppe finden.
Aus einem steilen Kursanstieg kann auf diesem Weg eine Seitwärtsbewegung werden, oft begleitet von hohen Kursschwankungen. Auch eine Korrektur ist dann nicht mehr ausgeschlossen, wenn die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllt werden.
Zum Hinterfragen hoher Bewertungen gehört auch der Ausblick auf die Zinsen für den Rest des Jahres. Ob die Zentralbanken die Leitzinsen erneut anheben, ist von der weiteren Entwicklung der Inflation abhängig. Zweitrundeneffekte, also erneute Preissteigerungen, lassen sich wegen der gestiegenen Energiepreise als Folge der Irankrise nicht ausschließen. Werden die Zinsen weiter angehoben, verringern sie den heutigen Wert zukünftiger Unternehmensgewinne und treffen daher insbesondere Wachstumsaktien, deren Erträge überwiegend in der Zukunft erwartet werden.
Die Anleger müssen nun also abwägen: Haben die großen Indizes MSCI World oder FTSE All World, die seit Jahresbeginn bereits prozentual zweistellig angestiegen sind, schon genug Fantasie eingepreist? Oder könnten die anstehenden Börsengänge von Anthropic und den chinesischen Konkurrenten DeepSeek und Moonshot vielleicht neuen Schwung an die Börse bringen?

