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Das aktuelle Marktgeschehen im Blick
Mittwoch, 12.08.2026
von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank
DAX springt von Rekord zu Rekord
Nach einem Jahr Pause zeigt der DAX Charakteristiken eines Bullenmarktes: Der Index steigt fast unbemerkt, aber nachdrücklich. Punktegewinne bleiben klein, dennoch entstehen fast im Tagestakt Rekorde. Wer sofort dabei sein möchte, ist zum Einstieg gezwungen; Rücksetzer bleiben aus. Weder Unruhen in Nahost noch Zinssorgen oder hitzebedingte Belastungen der deutschen Wirtschaft erzeugen günstigere Einstiegskurse. Immer mehr Anleger beschleicht die Angst, etwas zu verpassen, wenn sie nicht einsteigen – das berühmte FOMO baut sich auf.
Inflationsdaten im Blick
Heute sind alle Augen auf die Inflationsdaten aus den USA gerichtet. Während die Daten die Erwartung beeinflussen könnten, wann die amerikanische Notenbank an der Zinsschraube drehen könnte, werden sie kaum dazu beitragen können, das Zinsgespenst völlig vom Parkett zu verdrängen. Die heutigen Daten werden kaum von der Tatsache ablenken können, dass die Fed nun schon mehrere Jahre in Folge ihr offizielles Inflationsziel von 2 % verfehlt hat.
Rechenleistung soll eigene Anlageklasse werden
Rechenleistung bleibt allen Unkenrufen zum Trotz knapp und gefragt. Dass Nvidia ohne ein einziges „Nein“ von Investmentgesellschaften von Rang 500 Milliarden USD sichern kann, um Rechenleistung investierbar zu machen, zeigt, wie hoch die KI-Nachfrage nach wie vor eingeschätzt wird. Data-Center-IPOs erzeugen höchstes Interesse. Eine ganze Reihe guter Nachrichten hat den Anlegern wieder Appetit auf KI-Aktien gemacht.

Jochen Stanzl ist Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Zuvor war er zehn Jahre lang bei einem Broker in Frankfurt tätig und ist Mitgründer der stock3 AG, deren Aufsichtsratsmitglied er bis heute ist. Für die Kunden der Consorsbank teilt er seit November 2025 seine Börsenerfahrung von fast einem Vierteljahrhundert.
Rechtliche Hinweise
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Anbieter:
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Sitz: Nürnberg HRB Nürnberg 31129 USt-IdNr. DE191528929 BIC: CSDBDE71 | BLZ: 760 300 80
Es sind große Begriffe wie Zeitenwende, NATO-Ziel, Drohnenkrieg und Sondervermögen – aber trotzdem fallen die Kurse im Rüstungssektor. Auch KI ist kein Garant mehr für Kursgewinne. Beide Entwicklungen sind verwandt und deuten auf einen potenziell ruppigen Spätsommer an der Börse hin.
Denn beide Entwicklungen haben dieselbe Ursache: Anleger haben Aktien aus den Sektoren Rüstung und KI gekauft, ohne kritische Fragen zu stellen. Das ging gut, solange die Kurse stiegen. Jetzt ist Sand im Getriebe der Kursentwicklung, und die Fragen werden lauter.
Dabei geht es ursächlich nicht unbedingt um die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung. Die Industriezweige Rüstung und KI werden sich voraussichtlich weiterhin stark entwickeln. Was sich verändert hat, ist die Anlegerstimmung. Die Kurse steigen an der Börse immer so weit, bis die Erwartungen den tatsächlichen Entwicklungen ungefähr entsprechen.
An diesem Punkt fangen die Anleger dann an, zunehmend kritische Fragen zu stellen. Einfach nur die Erwartungen zu erfüllen, scheint dann zu wenig. Nur ein sehr positiver Soll-Ist-Abgleich in den Bilanzen zählt. Aber auch nur, wenn die Anleger selbst im Geschäftsausblick kein sprichwörtliches Haar in der Suppe finden.
Aus einem steilen Kursanstieg kann auf diesem Weg eine Seitwärtsbewegung werden, oft begleitet von hohen Kursschwankungen. Auch eine Korrektur ist dann nicht mehr ausgeschlossen, wenn die hoch gesteckten Erwartungen nicht erfüllt werden.
Zum Hinterfragen hoher Bewertungen gehört auch der Ausblick auf die Zinsen für den Rest des Jahres. Ob die Zentralbanken die Leitzinsen erneut anheben, ist von der weiteren Entwicklung der Inflation abhängig. Zweitrundeneffekte, also erneute Preissteigerungen, lassen sich wegen der gestiegenen Energiepreise als Folge der Irankrise nicht ausschließen. Werden die Zinsen weiter angehoben, verringern sie den heutigen Wert zukünftiger Unternehmensgewinne und treffen daher insbesondere Wachstumsaktien, deren Erträge überwiegend in der Zukunft erwartet werden.
Die Anleger müssen nun also abwägen: Haben die großen Indizes MSCI World oder FTSE All World, die seit Jahresbeginn bereits prozentual zweistellig angestiegen sind, schon genug Fantasie eingepreist? Oder könnten die anstehenden Börsengänge von Anthropic und den chinesischen Konkurrenten DeepSeek und Moonshot vielleicht neuen Schwung an die Börse bringen?

