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Das aktuelle Marktgeschehen im Blick
Freitag, 08.05.2026
von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank
DAX: Volatilität dominiert – Sorge um Renditeanstieg in den USA
Die Kursentwicklung des DAX ist wie ein Fieberthermometer des Nahostkonflikts: Gerade als man denkt, dass es eine deutliche Besserung gibt, kommt es wieder zu einem neuen Rückschlag. Dennoch zeichnet sich ein Aufwärtstrend ab, auch wenn diese allmähliche Besserung kurzfristig von hoher Volatilität überlagert wird. Für eine Verlängerung der DAX-Rally dürfte bereits eine weitere schrittweise Annäherung im Nahostkonflikt ausreichen. Eine solche Annäherung macht es schließlich wahrscheinlicher, dass die große Spekulation der Anleger auf einen Friedensdeal am Ende aufgeht.
KI-Rally: Viele Anleger reiben sich die Augen
Über 2 Milliarden Dollar investieren die großen US-Techkonzerne in KI – pro Tag. Diese Flut an Investitionen verfehlt ihre Wirkung nicht. Seit Anfang April ist Südkoreas KOSPI-Index dank der KI-Profiteure SK Hynix und Samsung Electronics um 47 % gestiegen, und der S&P 500 sowie der Nasdaq 100 Index notieren so hoch wie nie zuvor. Unter Anlegern dürfte daher die meistgestellte Frage in diesen Tagen sein: Hättest du gedacht, dass der Markt so stark steigt?
Wachsende Risiken, wenn der Irankonflikt ungelöst bleibt
Kurzfristig mag die KI-getriebene Rally die Aktienkurse weiter nach oben treiben, aber mittelfristig könnte die nach wie vor ungelöste Frage der Öffnung der Straße von Hormus zu einem Problem für den zunehmend sorglosen Markt werden. Zur Abkopplung der KI-Aktien vom Rest des Marktes trug maßgeblich bei, dass die amerikanische Notenbank keinen Schwenk hin zu einer restriktiveren Geldpolitik infolge der erwarteten inflationären Effekte des Nahostkonflikts vollzogen hat.
Sorgen um Renditeanstieg in den USA
Allerdings nähert sich die Rendite dreißigjähriger US-Staatsanleihen der Marke von 5 % – ein Ausbruch nach oben über diesen Widerstand ist nicht auszuschließen. Die Sorglosigkeit des Aktienmarktes kann somit schnell von der Realität am Anleihemarkt eingeholt werden: Volatilität an den Zinsmärkten könnte den KI-Optimismus dämpfen, da die Investitionen zunehmend fremdkapitalfinanziert und damit zinsabhängiger sind.
Jochen Stanzl ist Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Zuvor war er zehn Jahre lang bei einem Broker in Frankfurt tätig und ist Mitgründer der stock3 AG, deren Aufsichtsratsmitglied er bis heute ist. Für die Kunden der Consorsbank teilt er seit November 2025 seine Börsenerfahrung von fast einem Viertel Jahrhundert.
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Die Straße von Hormus ist eine schmale Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Rest der Welt. Was weit weg klingt, hat direkte Folgen für unseren Alltag. Denn durch diese Passage wird rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Gases transportiert. Wird sie blockiert oder unsicher, spürt das die ganze Welt sofort.
Seit dem Krieg zwischen den USA und dem Iran steht die Straße von Hormus im Zentrum der Aufmerksamkeit. Tanker fahren nur zögerlich oder gar nicht. Versicherungen sind teuer, Crews fühlen sich unsicher. Die Folge: Weniger Öl, Gas, Helium und Düngemittel erreichen den Weltmarkt. Und wenn das Angebot knapper wird, steigen die Preise.
Hohe Energiepreise treffen zuerst die Menschen an den Tankstellen. Öl und Gas werden aber auch für Transport, Strom und Produktion gebraucht. Steigen die Kosten etwa für Diesel, verteuert das auch die Preise für den Transport von Lebensmitteln in die Supermärkte. Beides – hohe Tankstellenpreise und steigende Lebenshaltungskosten – belastet die Wirtschaft. Für Länder wie Deutschland, die viel Energie importieren, ist das besonders problematisch
An den Börsen zeigt sich das sofort. Steigende Ölpreise schüren die Angst vor Inflation. Zentralbanken könnten gezwungen sein, Zinsen länger hochzuhalten oder sogar zu erhöhen. Kredite werden teurer, Investitionen schwieriger. Deshalb reagieren Aktienmärkte empfindlich auf jede Nachricht rund um Hormus.
Zwar hoffen viele Anleger auf eine diplomatische Lösung. Waffenruhen und Gespräche sorgen immer wieder für Erleichterung. Doch solange unklar ist, ob und wie sicher die Meerenge dauerhaft geöffnet bleibt, bleibt auch das Risiko hoch. Selbst eine schnelle Entspannung würde die Lage nicht sofort normalisieren. Im Persischen Golf stecken hunderte Schiffe fest. Lieferketten brauchen Zeit, um wieder reibungslos zu laufen.
Die Straße von Hormus ist deshalb mehr als ein regionales Nadelöhr. Sie ist ein Hebel für Energiepreise, Inflation und Wachstum weltweit. Ob beim Tanken, bei der Heizrechnung oder an der Börse: Was dort passiert, betrifft uns alle.
Die Anleger glauben dennoch an einen diplomatischen Ausgang des Irankriegs und blicken über die Wachstumsdelle hinweg, die von hohen Energiepreisen und Unterbrechungen von Lieferketten verursacht wurde.
Weltweit breit aufgestellte Indizes wie der MSCI World Index oder der FTSE All World Index sind auf neue Rekordstände gestiegen. Für langfristig orientierte Anleger mit Sparplan zeigt sich einmal mehr: Kurzfristige Krisen beeinflussen die Märkte, verändern aber selten den langfristigen Trend.