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Das aktuelle Marktgeschehen im Blick
Donnerstag, 02.04.2026
von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank
DAX unter Druck: Trumps Rede schürt neue Kriegsängste
Anleger müssen sich weiterhin mit erstaunlichen Kursschwankungen auseinandersetzen. Der DAX legt nach Trumps Rede zur Lage der Nation entschieden den Rückwärtsgang ein. Anleger hatten sich mit dem Begriff des „Herunterfahrens“ des Krieges anfreunden können und sich kurzfristig auf die Käuferseite geschlagen. Trumps Rede klingt jedoch eher danach, als würde es jetzt erst richtig losgehen. An der für die Märkte so belastenden Lage ändert Trumps Auftritt nichts: Die Straße von Hormus bleibt geschlossen, die Ölpreise bleiben hoch, gegenseitige Angriffe gehen unvermindert weiter – und eine Aussicht auf einen Deal ist in weiter Ferne.
Trumps Politik steht unter Druck
Trumps Rede zur besten Sendezeit wirkt wie der Versuch, die eigene Bevölkerung angesichts steigender Benzinpreise und wachsender „No-Kings“-Proteste bei Laune zu halten, um den Krieg unvermindert und womöglich sogar in noch härterer Form als bislang fortführen zu können. Trump sieht die Kriegsziele als nahezu erreicht an. Anleger fürchten jedoch das Pareto-Prinzip: Die letzten 20 Prozent der Kriegsziele zu erreichen, könnte am Ende 80 Prozent der Zeit und Ressourcen beanspruchen.
Ölpreise steigen wieder
An den ohnehin skeptisch gebliebenen Energiemärkten ist die Hoffnung auf einen Brent-Ölpreis von unter 100 Dollar verflogen. Eine Wiedereröffnung der Meerenge dürfte erst möglich sein, wenn der Iran ausreichend geschwächt ist, um keine Gefahr mehr darzustellen. Zudem kommen Pläne für alternative Versicherungen durch die US Development Finance Corporation nicht voran. Sie sollten eigentlich Garantien für Schiffe bieten, die den Golf anlaufen. Bislang gab es jedoch keine einzige Eskorte von Öltankern durch amerikanische Kriegsschiffe. Schiffe benötigen eine Crew – und die wird nicht bereit sein, die Straße von Hormus zu durchqueren, wenn sie sich nicht sicher fühlt. Daran ändern am Ende auch günstigere Versicherungsprämien nichts.
Jochen Stanzl ist Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Zuvor war er zehn Jahre lang bei einem Broker in Frankfurt tätig und ist Mitgründer der stock3 AG, deren Aufsichtsratsmitglied er bis heute ist. Für die Kunden der Consorsbank teilt er seit November 2025 seine Börsenerfahrung von fast einem Viertel Jahrhundert.
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Gold gilt traditionell als "sicherer Hafen". Umso erstaunlicher wirkt es, wenn der Preis in einer Zeit geopolitischer Spannungen fällt. Dahinter stecken mehrere Gründe, die auch über 2026 hinaus wichtig bleiben könnten.
Ein wichtiger Punkt ist das Verhalten großer Käufer. Zum Beispiel hat Polen in den vergangenen Jahren massiv Gold aufgebaut. Jetzt aber diskutiert die Regierung offen darüber, Teile dieser Bestände zur Finanzierung steigender Rüstungsausgaben zu verkaufen. Solche politischen Eingriffe verändern die Stimmung am Markt: Wird aus einem großen Käufer plötzlich ein möglicher Verkäufer, kann das den Preis drücken. Gleichzeitig sorgt die Auseinandersetzung zwischen polnischer Regierung und Zentralbank für zusätzliche Unsicherheit, weil sie das Prinzip der geldpolitischen Unabhängigkeit berührt.
Auch Russland hat Gold verkauft, um fehlende Einnahmen aus Öl und Gas auszugleichen. Dieser Verkaufsdruck könnte aber nachlassen: Denn wenn US-Sanktionen gelockert werden und die Ölpreise steigen, verdient Russland wieder mehr. Höhere Energieerlöse entlasten den Staatshaushalt – und reduzieren den Zwang, Reserven wie Gold zu verkaufen.
Hinzu kommt der geldpolitische Ausblick. Sowohl in Europa als auch in den USA steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbanken die Leitzinsen anheben oder dies zumindest vorbereiten. Steigende Zinsen erhöhen die Attraktivität verzinslicher Anlagen – und machen Gold, das keine laufenden Erträge bietet, weniger interessant.
Gleichzeitig wird der US-Dollar stärker. Das liegt weniger an einer besonders starken Wirtschaft, sondern daran, dass viele Anleger eine sichere und gut handelbare Option für ihr Geld suchen. Trotzdem belastet ein stärkerer Dollar den Goldpreis, weil Gold global in Dollar gehandelt wird.
Schließlich hat Gold zuvor sehr schnell sehr stark zugelegt. Der Anstieg um über 2.100 US-Dollar von September 2025 bis Januar 2026 – also binnen kürzester Zeit – wirkte überzogen. Jetzt wird ein Teil dieser Bewegung wieder korrigiert. Auffällig ist zudem, dass Gold zunehmend, wie ein risikoreiches Investment agiert: Steigt die Unsicherheit abrupt, fällt der Preis mitunter zusammen mit Aktien. Die klassische „sicherer Hafen“-Funktion ist daher aktuell überlagert durch den Bedarf, spekulative Exzesse des alten Jahres abzubauen.
Das bedeutet aber nicht, dass Gold seinen Status als „sicherer Hafen“ verloren hat. Vielmehr erlebt der Markt eine Art technische Bereinigung. Kurzfristig bleibt der Preis schwankungsanfällig, langfristig könnte Gold aber weiter glänzen.
Regelmäßige aktuelle Einschätzungen finden Sie auf Consorsbank – YouTube – Marktkommentare von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst Consorsbank.