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Das aktuelle Marktgeschehen im Blick
Donnerstag, 03.09.2026
von Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst der Consorsbank
DAX stabilisiert sich – und könnte neue Handelsspanne etablieren
Im Spannungsfeld zweistellig wachsender Firmengewinne und inflationsbedingter Renditeanstiege entsteht Reibung. Dennoch bleiben die Kursverluste überschaubar. Der Anstieg der dreißigjährigen Renditen in Deutschland auf über 3,8 % bringt den Markt nicht aus dem Takt. Anleger setzen vorläufig darauf, dass die Gewinnmitnahmen im DAX als Reaktion auf ein neues Rekordhoch im Großen und Ganzen vorüber sind.
Wachstum trotz Belastungen
Anleger haben sich mit einer durch die gerade beendete Berichtssaison belegten Meinung arrangiert: Geopolitische Spannungen, Inflationsgefahren und steigende Energiepreise haben das zweistellige Gewinnwachstum der Unternehmen in den letzten drei Monaten nicht aus der Bahn geworfen und setzen darauf, dass sie es vermutlich auch jetzt nicht tun.
DAX erreicht technische Unterstützung
Ob diese Zuversicht nun neue Käufer aufs Parkett locken wird, die als Schnäppchenjäger zu günstigeren Kursen den Einstieg wagen, muss abgewartet werden. Der DAX etabliert etwas, das nach einer höheren Handelsspanne aussieht. Diese liegt nun seit gut vier Wochen rund 800 Punkte höher als zuvor. Die Zone um 25.800 Punkte stellt als untere Begrenzung eine mögliche technische Unterstützung dar. Rutscht der DAX darunter, bestünde bis zur darunterliegenden Handelsspanne allerdings ein Abwärtsrisiko von gut 1.000 Punkten.

Jochen Stanzl ist Chefmarktanalyst der Consorsbank.
Zuvor war er zehn Jahre lang bei einem Broker in Frankfurt tätig und ist Mitgründer der stock3 AG, deren Aufsichtsratsmitglied er bis heute ist. Für die Kunden der Consorsbank teilt er seit November 2025 seine Börsenerfahrung von fast einem Vierteljahrhundert.
Rechtliche Hinweise
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Sitz: Nürnberg HRB Nürnberg 31129 USt-IdNr. DE191528929 BIC: CSDBDE71 | BLZ: 760 300 80
ETFs haben sich in den vergangenen Jahren von einem Nischenprodukt zu einem festen Bestandteil der privaten Geldanlage entwickelt. In Deutschland wächst die Zahl der Anleger, die regelmäßig über Sparpläne in breit gestreute ETFs investieren. Mit dem von der Bundesregierung geplanten Altersvorsorgedepot könnte diese Entwicklung zusätzlichen Schub erhalten.
Für Dr. Axel Haus vom Vermögensverwalter Vanguard markiert die geplante Reform einen möglichen Wendepunkt für die private Altersvorsorge. Im neuen „Deep In The Money“-Podcast der Consorsbank verrät er, dass Anleger ihre Vorsorge stärker am Kapitalmarkt ausrichten wollen, statt auf Garantien und sicherheitsorientierte Produkte zu setzen. Gerade bei langen Anlagezeiträumen seien nicht kurzfristige Kursschwankungen entscheidend, sondern die langfristige Renditeentwicklung.
Nach Einschätzung von Haus befindet sich Deutschland erst am Anfang einer echten Aktienkultur. Noch immer liegt ein großer Teil des privaten Vermögens auf Konten oder ist als Bargeld vorhanden. Angesichts der Inflation verliere Geld so langfristig an Kaufkraft. Gleichzeitig würden viele Anleger zunehmend die Bedeutung von Kosten erkennen. Günstige ETF-Lösungen könnten deshalb weiter an Bedeutung gewinnen.
Mit dem Erfolg passiver Anlageformen wächst allerdings auch die Kritik. Skeptiker warnen regelmäßig davor, dass eine immer stärkere Verbreitung von ETFs die Preisfindung an den Börsen beeinträchtigen könnte. Die Sorge dahinter: Wenn Anleger nur noch Indizes kaufen, würden Unternehmen nicht mehr ausreichend bewertet und Marktpreise könnten verzerrt werden.
Haus hält diese Bedenken derzeit für unbegründet. Nach seinen Angaben werden in den USA rund 23 % des Aktienmarktes über indexbasierte Produkte gehalten, in Europa liegt der Anteil deutlich niedriger. Zudem werde die Preisbildung vor allem durch das tägliche Handelsvolumen bestimmt. Dort spielten ETFs bislang nur eine vergleichsweise geringe Rolle. Aktive Investoren, Fondsmanager, Händler und Hedgefonds sorgten weiterhin für Wettbewerb und Marktbeobachtung.
Auch das oft zitierte Argument, selbst ETF-Erfinder John C. Bogle habe vor einer vollständigen Dominanz des passiven Investierens gewarnt, müsse im Zusammenhang betrachtet werden. Zwar könne ein Markt theoretisch nicht funktionieren, wenn ausschließlich passiv investiert würde. Gleichzeitig sei ein solches Szenario aus Sicht Bogles praktisch ausgeschlossen, weil es immer Teilnehmer geben werde, die aktiv nach Chancen suchen.
Ein weiteres Thema des Gesprächs ist die Frage nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt. Viele Anleger zögern wegen vermeintlich hoher Bewertungen oder aktueller politischer Risiken. Haus verweist auf eine Vanguard-Untersuchung, die einen fiktiven Anleger betrachtet, der seit 1997 stets unmittelbar vor größeren Markteinbrüchen investierte, von der Asienkrise über die Finanzkrise bis zur Corona-Pandemie. Trotz eines jedes Mal extrem ungünstigen Timings hätte der Anleger langfristig eine deutlich positive Rendite erzielt. Die entscheidende Voraussetzung war, investiert zu bleiben.
Daraus leitet Haus eine einfache Botschaft ab. Für langfristige Anleger sei der Versuch, den perfekten Einstiegszeitpunkt zu finden, oft weniger wichtig als der regelmäßige Vermögensaufbau. Die größere Gefahr bestehe mitunter darin, dauerhaft zu wenig investiert zu sein.
Den vollständigen Podcast mit Dr. Axel Haus von Vanguard, einschließlich aller Zahlen, Hintergründe und Diskussionen rund um ETFs, Altersvorsorge und Kapitalmärkte, finden Sie hier:

