17.11.2023 Lesezeit: ca. 6 Minuten
Ein Netzwerk aus Satelliten zieht über unseren Köpfen seine Bahnen. Es verbindet Kontinente, ermöglicht Kommunikation, Navigation und Forschung und macht deutlich, wie nah der Weltraum uns bereits ist. Was früher Science-Fiction war, ist heute ein dynamischer Markt mit wachsender wirtschaftlicher Bedeutung. Damit wird die Raumfahrt auch für Anlegerinnen und Anleger interessant, die auf Zukunftsthemen setzen möchten.
Überblick
- Weltraumwirtschaft im Aufbruch: Wachstum und Trends im New Space
- Von SpaceX bis Blue Origin: Wenn Stars wie Katy Perry und William Shatner abheben
- Industriegiganten mit Raumfahrtgeschäft
- Pure Play Weltraumaktien
- Chancen und Risiken von Raumfahrtaktien
- Breit investieren mit Weltraum-ETFs und einem aktiven Fonds
Fazit
- Das Marktvolumen der globalen Raumfahrtwirtschaft soll sich bis 2035 auf über 900 Milliarden US-Dollar mehr als verdoppeln.
- Private Unternehmen wie SpaceX, Blue Origin und Isar Aerospace, aber auch börsennotierte Firmen wie OHB und Rocket Lab treiben die Kommerzialisierung des Alls voran.
- Mit Weltraum-ETFs und -Fonds können Anleger in Unternehmen investieren, die im Bereich Raumfahrt aktiv sind.
Weltraumwirtschaft im Aufbruch: Wachstum und Trends im New Space
Ein Blick ins All zeigt nicht nur die Weite des Universums, sondern auch ein wachsendes wirtschaftliches Potenzial. Was einst von staatlichen Raumfahrtagenturen geprägt war, entwickelt sich heute zu einem globalen Markt. Diese Entwicklung wird häufig als New Space bezeichnet, und meint die neue, privatwirtschaftlich geprägte Ära der Raumfahrt, in der Unternehmen statt Staaten die Innovationskraft antreiben. Laut Future Market Insights¹ wird das Marktvolumen der Weltraumwirtschaft im Jahr 2025 bei rund 449,8 Mrd. US-Dollar liegen und bis zum Jahr 2035 auf 935,6 Mrd. US-Dollar steigen. Dies entspricht einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 7,6 %.
Den derzeit größten Anteil am Wachstum hat der Satellitensektor, der im Jahr 2025 rund 61 % der weltweiten Weltraumwirtschaft ausmachen dürfte. Satellitenkommunikation, Erdbeobachtung und Navigation bilden die Basis dieser Entwicklung. Treiber sind Innovationen wie wiederverwendbare Trägersysteme, die Miniaturisierung von Satelliten, zunehmende internationale Kooperationen und privates Kapital, das verstärkt in Start-up-Projekte fließt.
Diese Dynamik wird inzwischen von einem wachsenden Kreis an Unternehmen und Organisationen getragen. Zu den wichtigsten Akteuren zählen neue Player wie SpaceX, Blue Origin, aber auch große Industriekonzerne wie Airbus, Boeing, Thales, Lockheed Martin und Northrop Grumman.
Auch staatliche Programme wie die Missionen der NASA, zum Beispiel das Artemis-Programm, fördern die Branche. Die Visionen reichen dabei weit über die klassischen Anwendungsfelder hinaus. Weltraumtourismus, Mondbasen und der Abbau von Rohstoffen im All könnten künftig die gesamte Raumfahrtindustrie prägen.
Von SpaceX bis Blue Origin: Wenn Stars wie Katy Perry und William Shatner abheben
Das Tempo des Fortschritts bei der Eroberung des Alls bestimmen heute private Raumfahrtunternehmen. Neben etablierten Playern wie SpaceX und Blue Origin treten auch Neulinge wie Isar Aerospace aus Deutschland auf.
SpaceX, gegründet 2002 von Elon Musk, gilt als Marktführer für Raketenstarts und ist Betreiber des Starlink-Satellitennetzwerks, das Highspeed-Internet auch in entlegene Regionen bringt. Das Unternehmen hat bereits über 500 Missionen absolviert und mit seinen wiederverwendbaren Falcon-Raketen die Startkosten massiv gesenkt. In Kooperation mit der NASA arbeitet SpaceX am Artemis-Programm und verfolgt mit dem Starship-Projekt das Ziel, Menschen zum Mond und zum Mars zu bringen.2
Auch Blue Origin, das Raumfahrtunternehmen von Amazon-Gründer Jeff Bezos, verfolgt ehrgeizige Pläne. Neben touristischen Flügen in den Suborbit will das Unternehmen langfristig Infrastruktur für einen dauerhaften Aufenthalt im All schaffen. 2021 flog Schauspieler William Shatner, bekannt als Captain Kirk aus Star Trek, an Bord einer Blue-Origin-Mission über die Grenze zum Weltraum und nannte den Flug „die eindrucksvollste Erfahrung, die ich mir vorstellen kann“. Im April 2025 reisten unter anderem Katy Perry, Lauren Sánchez, Gayle King und Aisha Bowe ins All. Mittlerweile hat Blue Origin 36 Flüge absolviert und rund 80 Menschen befördert. Damit gilt das Unternehmen als Pionier des Weltraumtourismus.3
Unterdessen wächst in Deutschland mit Isar Aerospace ein ambitioniertes Start-up heran. Seit seiner Gründung 2018 hat es rund 550 Mio. Euro privates Kapital eingeworben und 2025 als erster privat finanzierter europäischer Anbieter Startverträge mit der ESA unterzeichnet.4 Das Unternehmen entwickelt Trägerraketen für kleine und mittelgroße Satelliten und will mit automatisierter Fertigung und wiederverwendbarer Technologie die Startkosten deutlich senken. Damit treibt Isar Aerospace laut eigenen Aussagen die „Disruption“ der europäischen Weltraumindustrie voran und will Europas unabhängigen Zugang zum All mitgestalten.
Da weder SpaceX noch Blue Origin oder Isar Aerospace an der Börse gehandelt werden, haben Privatanleger derzeit keine Möglichkeit, direkt über Aktien in diese Unternehmen zu investieren.
Industriegiganten mit Raumfahrtgeschäft
- Lockheed Martin zählt zu den bedeutendsten Luft- und Raumfahrtunternehmen der USA. Der Konzern entwickelt Satelliten, Trägersysteme und Raumfahrttechnologie für die NASA und die US Space Force. Aufgrund der engen Zusammenarbeit mit diesen Institutionen zählt er zu den wichtigsten Partnern der US-Raumfahrtpolitik. Der Schwerpunkt liegt jedoch weiterhin im Verteidigungs- und Rüstungsbereich, der den größten Teil der Umsätze ausmacht.
- Northrop Grumman liefert Raketenantriebe und Satellitensysteme für militärische und zivile Anwendungen. Das Unternehmen ist in mehrere Mond- und Marsmissionen eingebunden und entwickelt Technologien, die sowohl in der Verteidigung als auch in der Weltraumforschung genutzt werden. Der Großteil der Erlöse stammt jedoch aus dem Geschäft mit militärischen Systemen und Aufklärungstechnologien.
- Boeing kombiniert zivile Luftfahrt mit Raumfahrttechnologie. Neben Satellitenprojekten entwickelt das Unternehmen mit dem „Starliner“-Raumschiff ein Transportmodul für die ISS und zukünftige Weltraumprogramme. Das Kerngeschäft bleibt aber die zivile Luftfahrt mit Passagier- und Frachtflugzeugen.
- Airbus baut Satelliten, beteiligt sich an der ArianeGroup und entwickelt das Orion-Raumschiff für bemannte Raumfahrtmissionen. Damit spielt das Unternehmen eine zentrale Rolle in der europäischen Raumfahrtstrategie und verbindet technologische Innovation mit industrieller Stärke. Hauptumsatzträger bleibt jedoch die zivile und militärische Flugzeugproduktion.
- Thales Group entwickelt Kommunikations-, Navigations- und Verteidigungssysteme, die für viele Weltraumanwendungen unverzichtbar sind. Es ist in zahlreiche ESA-Projekte eingebunden und arbeitet eng mit Airbus zusammen. Das Kerngeschäft liegt jedoch in Verteidigungs-, Sicherheits- und Elektroniksystemen sowie in digitalen Lösungen für Kommunikation und Cybersicherheit.
Pure Play Weltraumaktien
Neben den großen Mischkonzernen gibt es börsennotierte Unternehmen, die sich ausschließlich den Technologien und Innovationen für die Raumfahrt widmen. Zwei Beispiele dieser sogenannten „Pure Plays“ stehen stellvertretend für diese Entwicklung: OHB SE aus Deutschland und Rocket Lab aus den USA. Beide Aktien sorgten im Jahr 2025 mit kräftigen Kursanstiegen für Aufmerksamkeit an der Börse und verdeutlichten, welches Potenzial in New-Space-Investments stecken kann. Zugleich kam es immer wieder zu teils deutlichen Rücksetzern. Das zeigt, wie stark die Kurse in diesem Segment schwanken können und wie wichtig es ist, dass sich Anlegerinnen und Anleger der hohen Volatilität bewusst sind.
Die deutsche OHB System AG ist ein langjähriger Partner europäischer Raumfahrtprogramme und an zahlreichen ESA-Projekten beteiligt. Das Unternehmen gehört zum börsennotierten Hochtechnologiekonzern OHB SE. Der Konzern entwickelt Satelliten, Komponenten für Trägerraketen und Systeme für Missionen wie das Ariane-Programm und Projekte zur Mondlandung. Das Unternehmen zählt zu den wenigen börsennotierten reinen Weltraumaktien in Europa und hat derzeit eine Marktkapitalisierung von rund 1,97 Mrd. Euro5 (Stand: 30.10.2025). Im Geschäftsjahr 2024 erzielte OHB einen Umsatz von 1 Mrd. Euro6, deutlich mehr als der prominente Wettbewerber aus Übersee: Rocket Lab.
Das US-Unternehmen verzeichnete im selben Zeitraum Einnahmen von 436 Mio. US-Dollar7, sein Börsenwert beträgt aktuell jedoch rund 30 Mrd. US-Dollar8 (Stand: 30.10.2025). Darin spiegelt sich die große Erwartung an künftiges Wachstum wider. Rocket Lab entwickelt Satellitenplattformen, Solarpaneele und Tanks. Der Schwerpunkt liegt jedoch auf dem Start von Kleinsatelliten mit eigenen Raketen. Mit der selbst entwickelten Trägerrakete Electron und der sich noch in der Entwicklung befindlichen Schwerlastrakete Neutron deckt das Unternehmen ein breites Spektrum ab – von kommerziellen Starts bis hin zu Forschungsmissionen für die NASA. Für Aufmerksamkeit sorgte zuletzt die Beteiligung an der „Escape and Plasma Acceleration and Dynamics Explorers Mission” (EscaPADE), einer NASA-Mission zum Mars, für die Rocket Lab Raumsonden entwickelt hat. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen bereits 239 Satelliten mit der Electron ins All gebracht, während weltweit über 1.700 Satelliten mit Technologie von Rocket Lab im Orbit sind9.
Chancen und Risiken von Raumfahrtaktien
Die Entwicklung von Rocket Lab zeigt exemplarisch, welches Potenzial, aber auch welche Unsicherheit in diesem Markt und Raumfahrtaktien stecken. Technologische Fortschritte, staatliche Programme und privates Kapital schaffen ein enormes Wachstumspotenzial. Die Branche gewinnt zudem an strategischer Bedeutung, beispielsweise bei globaler Kommunikation, Internetversorgung, Verteidigung, Forschung und der langfristigen Erschließung von Rohstoffquellen im All. Gleichzeitig ist der Weg zu profitablen Geschäftsmodellen noch weit.
Viele Unternehmen, die sich ausschließlich auf Raumfahrttechnologien konzentrieren, stehen erst am Anfang. Angesichts hoher Entwicklungsaufwendungen und geringer Einnahmen fehlt es ihnen häufig an Ertragsstärke, zahlreiche Firmen, darunter auch Rocket Lab, schreiben noch rote Zahlen. Mit solchen Investments erwerben Anlegerinnen und Anleger keine etablierten Geschäftsmodelle, sondern die Hoffnung auf eine erfolgreiche Kommerzialisierung der Raumfahrt. Wer hier investiert, setzt auf eine große Vision und die Annahme, dass einzelne Unternehmen aus dem New Space künftig eine Schlüsselrolle in der globalen Raumfahrtwirtschaft übernehmen könnten. Ob das gelingt und sich daraus ein dauerhaft profitables Geschäft entwickelt, ist jedoch offen.
Technologische Rückschläge, politische Abhängigkeiten, ein hoher Kapitalbedarf und starke Konkurrenz zählen zu den größten Risiken bei Weltraumaktien. Hinzu kommt eine ausgeprägte Volatilität, da die Kurse vieler Raumfahrtwerte stark auf Nachrichten reagieren, etwa auf neue Großaufträge, erfolgreiche Tests, aber auch auf Fehlschläge bei Raketenstarts oder Verzögerungen bei Missionen.
Breit investieren mit Weltraum-ETFs und einem aktiven Fonds
Wer die Chancen der Raumfahrtindustrie nutzen möchte, ohne das Risiko von Einzelinvestments zu tragen, kann den Sektor über einen spezialisierten Weltraum-ETF abbilden, der mehrere Raumfahrtaktien bündelt. Am deutschen Markt ist der VanEck Space Exploration & Innovation ETF (ISIN: IE000YU9K6K2) der derzeit einzige ETF mit direktem Fokus auf Raumfahrtaktien.
Der ETF bildet den MVIS Global Space Industry ESG Index ab, der 25 internationale Unternehmen umfasst. Aufgenommen werden nur Firmen, die mindestens 50 % ihrer Umsätze aus weltraumbezogenen Aktivitäten erzielen. Dazu zählen Hersteller von Satelliten, Trägerraketen und Raumfahrttechnologien ebenso wie Unternehmen aus den Bereichen Navigation, Kommunikation und Forschung.10
Fun-Fact: Der ETF wird unter dem Börsenticker „JEDI“ gehandelt, eine Anspielung, die nicht nur Science-Fiction-Fans schmunzeln lässt.
Eine breitere Diversifikation bieten der iShares Global Aerospace & Defense UCITS ETF (ISIN: IE000U9ODG19) und der Echiquier Space B Fonds (ISIN: LU2466448532). Während der iShares-ETF eine passive Anlagestrategie verfolgt, handelt es sich beim Echiquier Space B Fonds um einen aktiv gemanagten Fonds. Beide Produkte investieren nicht ausschließlich in reine Weltraumunternehmen, sondern auch in Konzerne, deren Kerngeschäft außerhalb der Raumfahrt liegt. Entsprechend finden sich in den Portfolios unter anderem Werte aus den Bereichen Luftfahrt, Technologie, Telekommunikation und Rüstung.
Ein gutes Beispiel für diesen breiteren Ansatz ist Amazon, das zu den Top-10-Positionen des Echiquier Space B Fonds zählt – ein Unternehmen, das viele Anleger zunächst nicht mit Raumfahrt in Verbindung bringen würden. Doch mit dem Project Kuiper baut Amazon derzeit ein eigenes Satelliten-Internet auf und plant, in den kommenden Jahren rund 3.200 Satelliten ins All zu schicken.11
Wie sehen Sie die Zukunft der Raumfahrtindustrie? Glauben Sie an eine neue Ära des New Space oder halten Sie die aktuelle Euphorie um Aktien wie Rocket Lab oder OHB für übertrieben? Teilen Sie Ihre Gedanken mit uns und der Reddit-Community!
Quellen:
1 Future Market Insights (https://www.futuremarketinsights.com/reports/space-economy-market)
2 SpaceX (https://www.spacex.com)
3 Blue Origin (https://www.blueorigin.com/news/new-shepard-ns-36-mission)
4 Isar Aerospace (https://isaraerospace.com/newsroom)
5 Börse Frankfurt (https://www.boerse-frankfurt.de/aktie/ohb-se)
6 OHB SE (https://www.ohb.de/fileadmin/ohb/Financial_Reports/Financial_Reports_DE/2024/OHB_GB2024_D_safe.pdf)
7 Rocket Lab (https://investors.rocketlabcorp.com/static-files/ae3471a1-ee61-4b84-9eb1-0b07246ef0f6)
8 Nasdaq (https://www.nasdaq.com/de/market-activity/stocks/rklb)
9 Rocket Lab (https://rocketlabcorp.com/)
10 MarketVector (https://www.marketvector.com/indexes/sector/mvis-global-space-industry-esg)
11 Tagesschau (https://www.tagesschau.de/wirtschaft/technologie/amazon-satellit-project-kuiper-starlink-elon-musk-100.html)