30.10.2018 Lesezeit: ca. 5 Minuten
KI, Big Data und der Börsenhandel: Wie Data Mining und künstliche Intelligenz das Geschäft mit Aktien verändern könnten
Big-Data, künstliche Intelligenz (KI) und Machine-Learning sind in aller Munde. Finanzinstitutionen gehören zu den größten Investoren in die neuen Technologien. Das erscheint folgerichtig, denn nicht nur fußt KI auf großen Zahlenreihen, die im Börsenhandel natürlicherweise anfallen. Auch versprechen sich Investmentbanken von künstlicher Intelligenz bessere Voraussagen über Marktentwicklungen und damit größere Gewinne bei höherer Sicherheit. Wenn sich künstliche Intelligenz im Börsenhandel immer weiter durchsetzt, welche Rolle spielt da noch der Mensch? Und werden private Trader mit künstlicher Intelligenz noch mithalten können?

Künstliche Intelligenz im Trade-Settlement
Mit künstlicher Intelligenz versuchen wir einer Maschine beizubringen, Entscheidungen automatisiert auf der Grundlage von großen Datenmengen (Big-Data) zu treffen. Machine-Learning ist ein Teilgebiet der künstlichen Intelligenz und beschreibt das Vorgehen ganz gut: Ein Computer wird mit großen Datenmengen gefüttert und lernt durch diese Daten, Vorkommnisse in der Zukunft vorauszusagen und entsprechend zu reagieren.
Beim Trading gibt es verschiedene Szenarien, in denen KI Sinn macht und bereits heute zum Einsatz kommt. Eine gängige Anwendung liegt im Trade-Settlement. Schon heute arbeiten Investmentbanken mit Trading-Bots, also Computerprogrammen, die Trades automatisiert platzieren. Die Programme sind nicht perfekt und erzeugen Fehler.
4 Facts:
- Künstliche Intelligenz wird große Bereiche des Börsenhandels verändern.
- Vor allem in der technischen Analyse bietet KI große Vorteile.
- Dennoch wird sie den Menschen in Zukunft nicht ersetzen können.
- Künstliche Intelligenz ist noch weit davon entfernt, hinter den Daten einen Sinn zu erkennen.
Trading Bots mit künstlicher Intelligenz
Auch mit Trading-Bots lässt sich künstliche Intelligenz nutzen – zumindest in der Theorie. Trading-Bots sind im Börsenhandel heute Standard. Ein Trading-Bot arbeitet aber nicht zwangsläufig mit KI. Einfache Bots basieren auf weitgehend deterministischen Algorithmen. Der Trader weiß, welche Trades er bei welchem Setup platzieren muss, um ein gutes Verhältnis zwischen Risiko und möglichem Gewinn zu erzielen. Statt dies händisch zu tun, nutzt man Trading-Bots und Algorithmen, die den Vorgang automatisieren. Der Vorteil liegt vor allem in der Geschwindigkeit. Denn im Gegensatz zum Menschen kann ein Computer schwierige Berechnungen in Sekundenbruchteilen durchführen und die entsprechenden Schlüsse daraus ziehen. Auch hat ein Algorithmus keine Emotionen und kann somit keine Bauchentscheidungen treffen, die schon vielen Tradern große Verluste beschert haben.
Es gibt Versuche, Trading-Bots mit künstlicher Intelligenz zu bestücken.
Ein solcher Bot wird mit einer Vielzahl an Setups gefüttert, wertet diese aus und formuliert auf dieser Grundlage verschiedene Lösungsstrategien in Abhängigkeit der jeweiligen Situation. Je mehr Szenarien er erlebt, desto ausgereifter werden seine Lösungsstrategien. Theoretisch kann ein KI-Trading-Bot also den menschlichen Trader ersetzen, indem er seine Erfahrungen in einem Algorithmus zusammenfasst und vom aktiven Traden lernt. Wirklich einwandfrei funktioniert dies heute aber noch nicht. Die Aussichten sind jedoch vielversprechend. So könnte eine ausgereifte künstliche Intelligenz einen menschlichen Trader nicht nur ersetzen, sondern ihn auch übertrumpfen. Der große Vorteil der KI liegt nicht nur in der hohen Geschwindigkeit, in der sie Entscheidungen treffen und umsetzen kann, sondern auch in der Anzahl möglicher Lösungsstrategien. Der wirklich entscheidende Vorteil einer künstlichen Intelligenz ist darin zu sehen, dass sie viel mehr Erfahrungen in viel kürzerer Zeit machen kann. Wo ein Mensch in einem bestimmten Szenario auf nur drei Lösungsansätze zurückgreifen kann, kann eine Maschine theoretisch unendlich viele Lösungen abrufen und diese zudem gegeneinander gewichten. Das heißt, nicht nur die Anzahl an Lösungen, sondern auch ihre Qualität kann bei einer Trading-KI in Zukunft höher sein.
