Dogs of the Dow

Mit Dividendenrendite zum Anlageerfolg?

02.02.2026   Lesezeit: ca. 6 Minuten
 

Wer sich mit Aktieninvestments beschäftigt, stößt früher oder später auf den Begriff „Dividende“. Diese regelmäßige Ausschüttung von Unternehmensgewinnen an Aktionäre kann – vor allem in unsicheren Marktphasen – ein stabilisierender Faktor im Depot sein.

Doch Dividenden sind nicht nur ein Bonus auf Kursgewinne: Sie können auch als strategisches Auswahlkriterium dienen. Genau hier setzt die „Dogs of the Dow“-Strategie an. Ihr Ziel: unterbewertete Qualitätsaktien mit überdurchschnittlicher Dividendenrendite identifizieren – und damit langfristig eine attraktive Gesamtrendite erzielen.

Doch wie funktioniert dieser Ansatz genau? Und lässt er sich auch auf andere Indizes wie den DAX oder den EURO STOXX 50 übertragen? In diesem Artikel erfahren Sie, was hinter der „Dogs of the Dow“-Strategie steckt, wie sie konkret umgesetzt wird – und welche Unternehmen aktuell zu den renditestärksten „Hunden“ zählen.

Ein Mann mit grauen Haaren steht auf einem Balkon und blickt über eine Stadtlandschaft. Er trägt ein dunkles Sakko und ein hellblaues Hemd. In der rechten Hand hält er ein Smartphone, mit dem linken Arm lehnt er sich an ein Balkongeländer. Im Hintergrund sind mehrere mehrstöckige Wohngebäude und ein heller Himmel zu sehen. Links im Bild steht eine Holzbank.
Ein Mann mit grauen Haaren steht auf einem Balkon und blickt über eine Stadtlandschaft. Er trägt ein dunkles Sakko und ein hellblaues Hemd. In der rechten Hand hält er ein Smartphone, mit dem linken Arm lehnt er sich an ein Balkongeländer. Im Hintergrund sind mehrere mehrstöckige Wohngebäude und ein heller Himmel zu sehen. Links im Bild steht eine Holzbank.

Fazit

  • Die „Dogs of the Dow“-Strategie sucht nach unterbewerteten Einzelwerten im Dow Jones.
  • Die Strategie kann auch auf andere Indizes angewendet werden, sofern die im Index enthaltenen Werte eine ausreichend hohe Marktkapitalisierung aufweisen.
  • Mit den Einzelwerten sollen vor allem Kursgewinne erzielt werden, erhaltene und reinvestierte Dividenden können die Gesamtrendite zusätzlich verbessern.

Was sind Dividenden?

Eine Dividende ist eine Gewinnausschüttung eines Unternehmens an seine Aktionäre. Es besteht kein Rechtsanspruch auf eine solche Ausschüttung. Die Höhe der Dividende richtet sich häufig nach dem Gewinn des Unternehmens und der beschlossenen Ausschüttungsquote. In bestimmten Fällen kann eine Dividende jedoch auch aus der Substanz des Unternehmens, d. h. aus Rücklagen oder Kapital, statt aus dem laufenden Gewinn gezahlt werden.

In der Regel geschieht dies, wenn ein Unternehmen seinen Aktionären eine kontinuierliche Dividendenzahlung signalisieren möchte. Dies ist besonders in Zeiten relevant, in denen weniger oder kein Gewinn erwirtschaftet wird.

Meist wird die Dividende einmal jährlich nach der Hauptversammlung ausgezahlt. Es gibt aber auch Unternehmen, die quartalsweise oder sogar monatlich Dividenden ausschütten. Neben der üblichen Form der Bardividende können Dividenden auch als Sachdividende, z. B. in Form von Aktien des Unternehmens, gezahlt werden. Am Ex-Tag, dem Tag der Ausschüttung, wird die gezahlte Dividende direkt und in voller Höhe vom Aktienkurs abgezogen. Das bedeutet, dass der Aktienkurs an diesem Tag um den Dividendenbetrag sinkt.

Wie wird die Dividendenrendite berechnet?

Die Dividendenrendite gibt an, wie hoch die Dividende im Verhältnis zum aktuellen Aktienkurs ist. Sie wird berechnet, indem man die Dividende pro Aktie durch den aktuellen Aktienkurs dividiert und anschließend mit 100 multipliziert.

Die Dividendenrendite wird in Prozent angegeben. Die Dividendenrendite kann unter anderem Rückschlüsse auf die Rentabilität eines Unternehmens oder die Bewertung einer Aktie zulassen. Wenn ein Unternehmen seine Dividende über Jahre hinweg kontinuierlich erhöht, kann dies beispielsweise mit stetig steigenden Unternehmensgewinnen zusammenhängen. Im Rahmen des Value Investing kann die Dividendenrendite somit auch eine wichtige Rolle bei der Suche nach günstig bewerteten Aktien spielen.

Aber Vorsicht: Eine steigende Dividendenrendite kann auch auf andere Gründe, wie z. B. auf einen fallenden Aktienkurs, zurückzuführen sein. Somit ist es ratsam, sich über die Hintergründe einer „hohen“ oder steigenden Dividendenrendite zu informieren und die Dividendenhistorie über mehrere Jahre zu betrachten. Da gezahlte Dividenden sich auf die Vergangenheit beziehen, sind zukunftsgerichtete Aussagen allerdings nur eingeschränkt möglich.

Mit der „Dogs of the Dow“-Strategie in unterbewertete Aktien investieren

Aufgrund der Bedeutung der Dividende bei der Aktienauswahl gibt es zahlreiche Anlagestrategien, die auf der Dividendenrendite basieren. Eine solche ertragsorientierte Strategie ist beispielsweise die „Dogs of the Dow“-Strategie.

Sie wurde von dem Wirtschaftswissenschaftler Michael B. O`Higgins entwickelt und in seinem Buch „Beating the Dow“ vorgestellt. Das Wort „Dogs“ ist in den USA ein umgangssprachlicher Ausdruck für „unattraktiv“. Higgins versteht darunter Aktien, die sich in letzter Zeit unterdurchschnittlich entwickelt haben und daher unattraktiv erscheinen.

Als Auswahlkriterium verwendete er die Dividendenrendite, um unterbewertete Aktien im US-Auswahlindex Dow Jones zu finden. Bei Aktien, deren Kurs bei gleichbleibender oder sogar steigender Dividende im Jahresverlauf fällt, steigt die Dividendenrendite. Mit diesem Filterkriterium sollen also unterbewertete Aktien mit Aufholpotenzial identifiziert werden. Da sich Higgins bei seinem Ansatz auf Werte aus dem Dow Jones konzentriert, ist eine ausreichend große Marktkapitalisierung sowie eine hohe Liquidität der ausgewählten Einzelwerte gewährleistet.

Dogs-Auswahl Schritt für Schritt:

  1. Aus den 30 Aktien des Dow Jones werden jeweils zu Jahresbeginn die zehn Aktien mit der höchsten Dividendenrendite ausgewählt.
  2. In jede dieser Aktien wird die gleiche Geldsumme investiert, d. h. ein zu Beginn vorhandener Gesamtbetrag wird gleichmäßig auf alle zehn Werte verteilt.
  3. Die zehn Aktien werden ein Jahr lang im Depot gehalten.
  4. Am Jahresende wird die Aktienauswahl erneut überprüft und gegebenenfalls angepasst, sofern andere Titel eine höhere Dividendenrendite aufweisen. Die im Jahresverlauf erhaltenen Dividenden werden reinvestiert.

Kursgewinne stehen bei der „Dogs of the Dow“-Strategie im Vordergrund

Der Anbieter von Börsenkursen und Finanzinformationen Lenz + Partner hat in seinem monatlich erscheinenden Chartanalyse-Magazins „TAI-PAN Inside (Link zu Lenz + Partner)“ die „Dogs of the Dow“-Strategie für die Jahre 2000 bis 2023 ausgewertet. In diesem Zeitraum konnte die Anlagestrategie eine Outperformance gegenüber dem Dow Jones erzielen. Allerdings gab es zwischenzeitlich immer wieder Jahre, in denen am Ende ein Minus zu Buche stand oder sich der Dow Jones besser entwickelte.

Im vergangenen Jahr erzielten die zehn Dogs of the Dow im Schnitt einen Kurszuwachs von rund 15 %, verglichen mit rund 13 % beim Dow Jones. Werden die Dividenden einbezogen, erhöht sich das Plus der Dogs auf rund 18 % vergleichen mit rund 14 % beim Dow Jones.

Hierbei sollten Anleger berücksichtigen, dass die historische Performance von Wertpapieren kein verlässlicher Indikator für zukünftige Ergebnisse ist. 

 

Obwohl die „Dogs of the Dow“-Strategie zu den Dividendenstrategien zählt, liegt der Fokus auf möglichen Kursgewinnen bei den ausgewählten Einzelwerten. Die Dividendenrendite ist „nur“ ein Filterkriterium bei der Suche nach unterbewerteten Aktien. Anders ausgedrückt: Die von den Unternehmen gezahlte Dividende ist ein „Sahnehäubchen“, das die Gesamtrendite verbessern kann.

Dies verdeutlich auch ein Vergleich der Entwicklung des 40 Werte umfassenden DAX mit dem DivDAX. Der DivDAX enthält die 15 DAX-Werte mit den höchsten Dividendenrenditen, die Zusammensetzung wird jedes Jahr im September überprüft. Der DivDAX kann damit als Maßstab für die Entwicklung von Unternehmen mit hohen Dividendenrenditen dienen. In den vergangen zehn Jahren entwickelte sich der DivDAX zeitweise besser als der DAX. Die bessere Entwicklung des DAX in den letzten drei Jahren ist maßgeblich auf die Kurszuwächse bei Schwergewichten wie SAP und Rheinmetall zurückzuführen, die nicht im DivDAX enthalten sind. Damit bestätigt der Vergleich, dass eine auf der Dividendenrendite beruhende Titelauswahl keine Garantie für ein erfolgreiches Investment ist.

Das Diagramm zeigt die Entwicklung der DivDAX- und DAX-Performance von Januar 2016 bis etwa Anfang 2025. Die horizontale Achse stellt die Zeit in Jahren dar, die vertikale Achse zeigt einen Indexwert von 80 bis 260. Es gibt zwei Linien: Blau: DivDAX Performance Rot: DAX Performance Beide Linien beginnen Anfang 2016 bei etwa 100. Im Verlauf steigen beide Werte, es sind Schwankungen und Rückgänge, insbesondere um 2020, ersichtlich. Ab 2023 steigen beide Werte stärker an. Im Jahr 2025 liegt die DAX-Performance (rot) knapp über dem Wert der DivDAX-Performance (blau). Beide erreichen Werte von über 230. Das Diagramm zeigt somit, dass beide Indizes über den betrachteten Zeitraum insgesamt stark gewachsen sind, mit zeitweisen Einbrüchen, und dass der DAX in 2025 leicht vor dem DivDAX liegt.
DivDAX- und DAX-Performance von Januar 2016 bis etwa Anfang 2025
Indexiert auf 100 am 03.01.2016, Stand: 28.12.2025
Quelle: Consorsbank

Die „Dogs of the Dow“-Strategie auf andere Indizes angewendet

Auch wenn bei der „Dogs of the Dow“-Strategie der Name das ursprüngliche Einsatzgebiet vorgibt, lässt sie sich auf andere Indizes übertragen. Zum Beispiel auf den deutschen Leitindex DAX oder den europäischen Auswahlindex EURO STOXX 50. Um der ursprünglichen Idee von Higgins treu zu bleiben, sollte der Index allerdings so groß sein, dass alle enthaltenen Werte eine hohe Marktkapitalisierung aufweisen.

Für die Berechnung der Dividendenrendite, die für die Auswahl der Einzelwerte notwendig ist, muss heute niemand mehr zum Taschenrechner greifen. Verschiedene Websites stellen diese Informationen zur Verfügung. Bei der Consorsbank findet man sie im Bereich Wertpapierhandel. Dort kann nach den bekanntesten Indizes selektiert und die Dividendenrenditen in absteigender Reihenfolge anzeigt werden.

Für das aktuelle Jahr 2026 würden folgende Dividendenwerte zu den „Dogs“ zählen (hierbei handelt es sich um Beispiele und keine Form der Anlageberatung): 

Dogs of the Dow

Verizon Communications
6,97 %
Chevron
4,79 %
Merck & Co.
3,23 %
Amgen
3,09 %
Coca-Cola
3,05 %
Procter & Gamble
2,99 %
United Health
2,87 %
Home Depot
2,82%
Nike
2,74 %
Johnson & Johnson
2,62 %

* auf Basis der für 2026 erwarteten Dividende (in Euro)
Quelle: Consorsbank; Stand: 30.12.2025
 

Was fällt auf:
Mit Nike, Home Depot und United Health sind 2026 drei neue Dogs in der mit Blick auf die Sektoren gut diversifizierten Auswahl. Nike soll die Rückkehr des ehemaligen Managers Elliott Hill und eine strategische Neuausrichtung zu einem Turnaround verhelfen. Werden die von Donald Trump erhobenen Strafzölle für unrechtmäßig erklärt, könnte Nike zudem eine Rückerstattung bereits gezahlter Zölle beantragen.

Dogs of the DAX

Volkswagen VZ
6,15 %
Vonovia SE
5,22 %
Mercedes-Benz Group
5,11 %
Daimler Truck Holding
5,09 %
BASF
5,06 %
Porsche Automobil
4,88 %
Continental
4,78 %
Hannover Rueck
4,70 %
Allianz
4,66 %
BMW
4,58 %

* auf Basis der für 2026 erwarteten Dividende
Quelle: Consorsbank; Stand: 30.12.2025
 

Was fällt auf:
Im DAX dominieren Vertreter der Automobilindustrie die Auswahlliste. Die Hersteller befinden sich mitten in einem Transformationsprozess hin zur Elektromobilität und dem autonomen Fahren. Eine Intensivierung des Wettbewerbs, insbesondere mit Blick auf China, könnte die Gewinnentwicklung erneut beeinträchtigen.

Dogs of the EURO STOXX 50

BNP Paribas
6,97 %
Intesa Sanpaolo
6,92 %
ENI
6,75 %
TotalEnergies
6,25 %
Volkswagen VZ
6,15 %
Nordea Bank
6,09 %
AXA S.A.
6,08 %
ENEL
5,63 %
UNICREDIT
5,20 %
Sanofi
5,15 %

* auf Basis der für 2026 erwarteten Dividende
Quelle: Consorsbank; Stand: 30.12.2025
 

Was fällt auf:
Unter den Dogs des EURO STOXX 50 finden sich vor allem Vertreter aus der Finanzbranche und dem Energiesektor. Die Dividendenrenditen sind hier die höchsten der drei betrachteten Auswahllisten.