07.01.2025 Lesezeit: ca. 8 Minuten
Das Aktienumfeld bleibt auch mit Blick auf 2026 konstruktiv – doch die Zeit breiter Marktgewinne neigt sich dem Ende zu. Selektivität, strukturelle Wachstumstreiber wie künstliche Intelligenz und regionale Unterschiede gewinnen an Bedeutung. Wo Investoren jetzt Chancen finden und wie sich Portfolios strategisch positionieren lassen, zeigen wir im Überblick.
Für unseren Ausblick auf das Aktienjahr, fasst Stephan Kemper die wichtigsten Marktbeobachtungen für uns zusammen.
Stephan Kemper leitet ein Team von hochmotivierten Investment-Profis und ist Teil des Teams, das für die Entwicklung der globalen Anlagestrategie und der strategischen Asset-Allokation für die Wealth Management- und Privat Banking-Einheiten von BNP Paribas weltweit zuständig ist.
Fazit
- Selektivität statt Gießkanne: Liquidität und Wachstum stützen Aktien weiterhin, doch Bewertungen und regionale Unterschiede erfordern eine gezielte Titelauswahl.
- Strukturelle Gewinner im Fokus: Künstliche Intelligenz, Technologie, Infrastruktur und Energiewende bleiben zentrale Treiber – über Regionen hinweg.
- Schwellenländer und Japan mit Rückenwind: Attraktive Bewertungen, Reformen und technologische Stärke machen diese Märkte zu bevorzugten Bausteinen für 2026.
Ein konstruktives Umfeld für Aktien
US-Aktien am Tropf der Gewinnentwicklung
Die Bewertungen bleiben anspruchsvoll, was den Spielraum für weitere Anstiege bei Bewertungskennzahlen einschränkt. Dennoch bieten Sektoren, die mit dem KI-Investitionszyklus verbunden sind, darunter Technologieinfrastruktur, Halbleiter und Cloud-Dienste, weiterhin attraktive Perspektiven. Wir erwarten einen weiter schwachen Dollar.
Somit kann für Nicht-Dollar-Investoren eine Absicherung des Dollar-Risikos helfen, die Volatilität abzumildern. Während die USA weiterhin eine Kernallokation in einem globalen Portfolio darstellen, sollten sich Investoren auf Unternehmen mit starken Bilanzen und Engagements in neuen Technologien konzentrieren. Dabei sollten auch die Anwender berücksichtigt werden. Wir bevorzugen den gleichgewichteten S&P100 gegenüber dem klassischen S&P500 um das Bewertungs- und Konzentrationsrisiko von den „Glorreichen 7“ zu reduzieren. Im Portfoliokontext sind wir neutral gewichtet.
Europa – ein Markt der zwei Geschwindigkeiten
Die Stimmung mit Blick auf Europa ist schlecht, sowohl direkt als auch im Vergleich zu den USA, denn es gibt eine Sache, an der es in der Region nicht mangelt: Probleme. Sei es der Stress bei französischen Assets oder die Entwicklung der deutschen Wirtschaftsdynamik, es gibt keinen Mangel an Gründen, vorsichtig zu sein.
Investoren mögen sich daher fragen, warum die Region überhaupt in Betracht gezogen werden sollte. Dies gilt umso mehr für einen Zeitpunkt, an dem die Androhungen von Zöllen zunehmen und die ersten entsprechenden Schlagzeilen auftauchen. Es stehen bis zu 7 % der Gewinne im MSCI Europe auf dem Spiel, wenn Donald Trumps Plan von Einfuhrzöllen in Höhe von 60 % für Güter aus China und 10 % für Güter aus allen anderen Ländern umgesetzt würde. Daher scheint mit Blick auf Positionierungsdaten selbst die rekordniedrige Bewertung nicht auszureichen, um Investitionen in Europäische Aktien zu rechtfertigen.
Schwellenländer übernehmen die Führung
Wir sehen die größten Chancen bei Aktien aus Schwellenländern. Niedrigere Zinssätze, ein schwächerer US-Dollar und anhaltender technologischer Fortschritt sind wichtige Treiber für 2026. Asien bleibt zentral für diese Geschichte, wobei China eine entscheidende Rolle spielt.
Der erneute Fokus des Landes auf Innovation und seine Führungsrolle in Bereichen wie künstlicher Intelligenz und fortschrittlicher Fertigung werden voraussichtlich das Wachstum unterstützen. Chinesische Technologieunternehmen bieten oft ein stärkeres Wachstum zu reduzierten Niveaus im Vergleich zu ihren US-Konkurrenten.
Gleichzeitig könnte Latein-Amerika von marktfreundlichen Wahlergebnissen, weiter steigenden Rohstoffpreisen und positiven Überraschungen bei Handelsabkommen (Mexiko im Rahmen des USMCA) profitieren. Diese Faktoren machen Schwellenmärkte zu einem wichtigen Faktor für die Aktienallokation im kommenden Jahr. Wir bleiben übergewichtet.
Noch immer „Big in Japan“
Politische Stabilität und wachstumsfördernde Reformen steigern weiterhin Japans Attraktivität. Verbesserungen der Unternehmensführung bleiben ein wichtiger Treiber, der die Aktionärsrenditen und Transparenz unterstützt. Japans Führungsrolle bei fortschrittlichen Technologien – insbesondere künstlicher Intelligenz, Halbleiter und Robotik – positioniert den Markt als strategisches Element in globalen Portfolios.
Darüber hinaus stärken die sich vertiefenden wirtschaftlichen und technologischen Beziehungen des Landes zu den Vereinigten Staaten seine Rolle in globalen Lieferketten und Innovationsökosystemen. In Kombination mit strukturellen Reformen und innovationsgetriebenem Wachstum machen diese Faktoren Japan zu einem zunehmend attraktiven Ziel für langfristige Investoren. Wir bleiben übergewichtet.