Altersvorsorgedepot ab 2027: Was sich bei der privaten Altersvorsorge grundlegend ändert

15.06.2026   Lesezeit: ca. 10 Minuten

Die Altersvorsorge in Deutschland wird neu aufgestellt. Ab 2027 löst das Altersvorsorgedepot die Riester-Rente als staatlich gefördertes Vorsorgeinstrument ab und bringt dabei etwas mit, das viele lange vermisst haben: die Möglichkeit, gefördert in ETFs und Fonds zu investieren, ohne starren Versicherungsmantel und ohne Beitragsgarantie auf Kosten der Renditechancen.

Was genau hinter dem neuen Modell steckt, wie die Förderung funktioniert und welche Optionen Sie bei der Consorsbank künftig nutzen können, zeigt dieser Artikel.

Mann in hellblauem Hemd sitzt vor einem Fenster an seinem Laptop

Altersvorsorgedepot: Das Wichtigste in Kürze

  • Ab dem 1. Januar 2027 startet das Altersvorsorgedepot als neue staatlich geförderte Möglichkeit, am Kapitalmarkt für den Ruhestand zu sparen.
  • Der Staat zahlt bis zu 540 Euro Grundzulage pro Jahr. Zusätzlich gibt es bis zu 300 Euro Kinderzulage und einen einmaligen Berufseinsteigerbonus von 200 Euro bis zur Vollendung des 25 Lebensjahres.
  • Gefördert werden Einzahlungen bis zu 1.800 Euro im Jahr; einzahlen können Sie jährlich bis zu 6.840 Euro.
  • Sie entscheiden selbst, in welche ETFs oder Fonds Ihr Geld fließt – ohne Pflicht zu einer Beitragsgarantie.
  • Das Altersvorsorgedepot ersetzt die Riester-Rente für Neukunden; bestehende Riester-Verträge können weitergeführt oder übertragen werden.
  • Die Consorsbank wird ab 2027 sowohl das Altersvorsorgedepot als auch das Standarddepot für selbstbestimmte und begleitete Altersvorsorge anbieten.

Warum die private Altersvorsorge jetzt wichtiger wird

Die gesetzliche Rente allein reicht für die meisten Menschen nicht aus, um den gewohnten Lebensstandard im Alter zu halten. Das liegt an demografischen Verschiebungen: Immer weniger Beitragszahlende finanzieren immer mehr Rentenempfänger. Gleichzeitig sind viele der bisherigen Förderinstrumente, allen voran Riester, an ihrer Komplexität und ihren Renditeeinschränkungen gescheitert.

Genau hier setzt die Reform an. Die Bundesregierung hat im März 2026 die gesetzlichen Grundlagen für eine neue private Altersvorsorge beschlossen, der Bundesrat billigte das Gesetz im Mai 2026. Das Ergebnis: ein Vorsorgesystem, das näher am Kapitalmarkt ist, mehr Eigenverantwortung ermöglicht und trotzdem staatlich gefördert wird.

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich zertifiziertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge. Anders als bei klassischen Riester-Produkten legen Sie Ihr Geld direkt am Kapitalmarkt an – typischerweise in breit gestreute Fonds oder ETFs. Eine 100-Prozent-Beitragsgarantie wie bei vielen Riester-Verträgen gibt es hier nicht mehr; stattdessen stehen langfristige Renditechancen im Vordergrund.

Die Altersvorsorge basiert in Deutschland auf drei Säulen: gesetzliche Rente, betriebliche Altersvorsorge und private Vorsorge. Das Altersvorsorgedepot stärkt genau die dritte Säule und macht private Vorsorge erstmals direkt am Kapitalmarkt staatlich förderbar.

Altersvorsorgedepot vs. Riester: Was sich ändert

Das neue Modell unterscheidet sich in mehreren zentralen Punkten von der Riester-Rente: von der Höhe der Förderung über die Anlageform bis hin zur Flexibilität bei der Auszahlung. Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick:
Merkmal
Riester-Rente
Altersvorsorgedepot
Start für Neukunden
eingestellt
ab 1. Januar 2027
Anlageform
Versicherung, Banksparplan
Fonds, ETFs
Beitragsgarantie
verpflichtend
nicht vorgeschrieben

Grundzulage
bis zu 175 Euro/Jahr
bis zu 540 Euro/Jah
Kinderzulage
bis zu 300 Euro/Kind
bis zu 300 Euro/Kind
Kostenobergrenze
nicht gesetzlich gedeckelt


nicht gesetzlich gedeckelt, Standarddepot, max. 1,0 % Effektivkosten/Jahr

Das Altersvorsorgedepot ist damit deutlich renditeorientierter und für viele Sparer attraktiver als sein Vorgänger.

Wie funktioniert die staatliche Förderung?

Die Förderstruktur des Altersvorsorgedepots folgt einem zweistufigen Modell. Der Staat zahlt Zulagen direkt in Ihr Depot.

Grundzulage

Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr erhalten Sie 50 Cent pro eingezahltem Euro. Das entspricht 180 Euro Zulage. Für Einzahlungen zwischen 361 und 1.800 Euro gibt es zusätzlich 25 Cent pro Euro, also nochmals bis zu 360 Euro. Insgesamt beläuft sich die maximale Grundzulage damit auf 540 Euro pro Jahr.

Kinderzulage

Für jedes Kind, für das Sie Kindergeld beziehen, erhalten Sie zusätzlich bis zu 300 Euro pro Jahr. Familien mit mehreren Kindern profitieren entsprechend stärker.

Berufseinsteigerbonus

Eröffnen Sie das Depot vor dem 25. Lebensjahr, erhalten Sie einmalig 200 Euro extra, vorausgesetzt, Sie sind zu diesem Zeitpunkt bereits förderberechtigt.

Steuerlicher Vorteil: Sonderausgabenabzug

Eigenbeiträge zum Altersvorsorgedepot können Sie in Ihrer Einkommensteuererklärung als Sonderausgaben geltend machen. Das senkt Ihr zu versteuerndes Einkommen im jeweiligen Einzahlungsjahr und kann je nach persönlichem Steuersatz zu einer spürbaren Steuererstattung führen. Der abzugsfähige Betrag ist auf die maximal geförderte Einzahlung von 1.800 Euro pro Jahr begrenzt.

Steuervorteil in der Ansparphase

Während Sie einzahlen, fällt auf Gewinne und Dividenden keine Abgeltungsteuer an: Ihr Kapital bleibt vollständig investiert. So kann der Zinseszinseffekt über Jahrzehnte hinweg voll wirken. Erst in der Auszahlungsphase wird die Einkommensteuer fällig.
 

Was passiert mit Ihrem Riester-Vertrag?

Bestehende Riester-Verträge verlieren nicht automatisch ihre Gültigkeit. Sie können einen laufenden Vertrag weiterführen oder die angesparten Beträge in ein Altersvorsorgedepot übertragen. Ob sich ein Wechsel lohnt, hängt von Ihrem individuellen Vertrag, den bisherigen Konditionen, der Restlaufzeit und Ihrer persönlichen Lebenssituation ab. Eine genaue Prüfung ist in jedem Fall sinnvoll.

So viel Förderung ist möglich: Ein erster Überblick

Möchten Sie wissen, wie viel staatliche Förderung in Ihrer Situation möglich ist? Der folgende Überblick zeigt die wichtigsten Eckdaten des Altersvorsorgedepot-Rechners auf einen Blick:
Förderkomponente
Betrag
Grundzulage
bis zu 540 Euro pro Jahr
Kinderzulage
bis zu 300 Euro pro Kind


Mindestbeitrag


120 Euro pro Jahr
Maximalbeitrag
6.840 Euro pro Jahr
Maximal geförderte Einzahlung


1.800 Euro pro Jahr
 Berufseinsteigerbonus (bis 25 Jahre)

200 Euro einmalig




Wer kann ein Altersvorsorgedepot eröffnen?

Grundsätzlich steht das Altersvorsorgedepot allen offen, die noch nicht vollständig in Altersrente sind. Um die staatliche Förderung zu erhalten, müssen aber bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein, etwa Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung, ein Beamtenstatus oder die Tätigkeit als Landwirt. Auch Selbstständige sind unter bestimmten Bedingungen förderberechtigt, was gegenüber der Riester-Rente eine wichtige Neuerung darstellt.

Den Mindestbeitrag für die Förderung beziffert das Gesetz auf 120 Euro pro Jahr, das entspricht gerade einmal 10 Euro pro Monat. Die maximale staatlich geförderte Einzahlung liegt bei 1.800 Euro jährlich. Einzahlen können Sie insgesamt bis zu 6.840 Euro pro Jahr. Für Beträge oberhalb der 1.800-Euro-Grenze entfallen zwar die direkten Zulagen, doch der Steuerstundungseffekt bleibt erhalten. Das heißt konkret: Gewinne und Dividenden werden in der Ansparphase nicht mit Abgeltungsteuer belastet, das Kapital bleibt vollständig investiert und kann den Zinseszinseffekt über Jahre voll entfalten. Versteuert wird somit erst in der Auszahlungsphase.

Das Angebot der Consorsbank: Altersvorsorgedepot und Standarddepot

Die Consorsbank wird ab 2027 beide staatlich geförderten Produktmodelle anbieten. Welches besser zu Ihnen passt, hängt davon ab, wie aktiv Sie Ihre Altersvorsorge selbst gestalten möchten.

  • Das Altersvorsorgedepot ist für diejenigen, die selbst entscheiden wollen, in welche Wertpapiere ihr Geld fließt. ETFs und Fonds stehen dabei im Mittelpunkt. Sie wählen aus den zur Verfügung stehenden Produkten und gestalten Ihre Vorsorge nach Ihren Vorstellungen.
  • Das Standarddepot richtet sich an alle, die Unterstützung bei der Auswahl möchten. Hier ist eine Kombination aus zwei Wertpapieren mit unterschiedlicher Risikoausprägung vorgegeben. 
     

Beide Varianten profitieren von derselben staatlichen Förderstruktur – der Unterschied liegt im Grad der Eigenverantwortung bei der Anlageentscheidung.

 

Wenn Sie schon heute regelmäßig Vermögen aufbauen möchten, bietet die Consorsbank dafür bereits jetzt Möglichkeiten: Mit einem ETF-Sparplan investieren Sie breit gestreut zu 0 Euro Sparplangebühr (zzgl. marktüblicher Spreads und Zuwendungen). Möchten Sie die Anlageentscheidungen lieber Profis überlassen, werden Sie beim Investmentkonto fündig.

Frühstart-Rente: Vorsorge für Kinder von Anfang an

Parallel zum Altersvorsorgedepot plant die Bundesregierung die sogenannte Frühstart-Rente. Eltern sollen für Kinder ab dem sechsten Lebensjahr ein Altersvorsorgedepot eröffnen können, in das der Staat monatlich 10 Euro bis zum 18. Geburtstag einzahlt. Das Prinzip dahinter ist einfach: Je früher der Zinseszinseffekt ansetzt, desto größer der Effekt über Jahrzehnte.

 

Die Bundesregierung entwickelt derzeit verschiedene Modelle zur staatlich geförderten Altersvorsorge. Darunter auch das Altersvorsorgedepot und die Frühstart-Rente. Unser Fokus liegt aktuell auf dem Altersvorsorgedepot. Weitere Modelle, wie die Frühstart-Rente, beobachten wir aufmerksam und bewerten diese, sobald die gesetzlichen Grundlagen konkretisiert sind.

Fazit: Ein echter Neustart für die private Altersvorsorge

Das Altersvorsorgedepot ist keine kosmetische Überarbeitung der Riester-Rente, sondern ein struktureller Neustart. Höhere Zulagen, kein Zwang zur Beitragsgarantie, direkte Investition in ETFs und Fonds, mehr Flexibilität bei der Auszahlung: Die Reform beseitigt viele der Schwächen des alten Systems. Gleichzeitig bleibt es ein gefördertes Vorsorgeinstrument mit staatlicher Unterstützung, das sich besonders für langfristig orientierte Sparer eignet.

 

Hinweis: Investitionen in Wertpapiere sind mit Risiken verbunden. Der Wert Ihrer Anlage kann steigen oder fallen. Vergangene Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.

Häufig gestellte Fragen zum Altersvorsorgedepot

Was ist das Altersvorsorgedepot?

Das Altersvorsorgedepot ist ein staatlich zertifiziertes Wertpapierdepot für die private Altersvorsorge, das ab dem 1. Januar 2027 angeboten wird. Es gilt als Nachfolger der Riester-Rente und ermöglicht es, staatlich gefördert direkt in Fonds und ETFs zu investieren – ohne Versicherungsmantel und ohne Pflicht zu einer Beitragsgarantie. Der Fokus liegt auf langfristigen Renditechancen am Kapitalmarkt.

Wie hoch ist die staatliche Förderung beim Altersvorsorgedepot?

Die maximale Grundzulage beträgt 540 Euro pro Jahr. Das Modell ist zweistufig: Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag zahlt der Staat 50 Cent pro Euro (180 Euro), auf Einzahlungen bis 1.800 Euro gibt es zusätzlich 25 Cent pro Euro (bis zu 360 Euro). Hinzu kommen bis zu 300 Euro Kinderzulage pro Kind sowie ein einmaliger Berufseinsteigerbonus von 200 Euro für Sparer unter 25 Jahren.

Was passiert mit meinem Riester-Vertrag?

Bestehende Riester-Verträge verlieren durch die Reform nicht ihre Gültigkeit. Sie können einen laufenden Vertrag weiterführen oder die angesparten Beträge prämienunschädlich in ein neues Altersvorsorgedepot übertragen. Neue Riester-Verträge werden ab 2027 nicht mehr angeboten. Ob ein Wechsel sinnvoll ist, hängt von den individuellen Vertragskonditionen, der verbleibenden Laufzeit sowie Ihrer persönlichen Lebenssituation ab.

Was ist der Unterschied zwischen Altersvorsorgedepot und Standarddepot?

Beide sind staatlich geförderte Produktmodelle der neuen privaten Altersvorsorge. Beim Altersvorsorgedepot entscheiden Sie selbst, in welche ETFs oder Fonds Sie investieren. Das Standarddepot ist ein Basisprodukt mit vorgegebener Anlagestruktur und eignet sich für alle, die keine eigene Auswahl treffen möchten. 

Wer hat Anspruch auf die staatliche Förderung beim Altersvorsorgedepot?

Grundsätzlich können alle Personen ein Altersvorsorgedepot eröffnen, die noch nicht vollständig in Altersrente sind. Die staatliche Förderung erhalten unter anderem Pflichtversicherte in der gesetzlichen Rentenversicherung sowie Beamte und Landwirte. Auch Selbstständige können unter bestimmten Voraussetzungen förderberechtigt sein. Das ist gegenüber der Riester-Rente eine wesentliche Neuerung.

Wie viel muss ich mindestens einzahlen, um die Förderung zu erhalten?

Der gesetzliche Mindestbeitrag liegt bei 120 Euro pro Jahr, also 10 Euro pro Monat. Die maximale staatlich geförderte Einzahlung beträgt 1.800 Euro jährlich; insgesamt können bis zu 6.840 Euro pro Jahr eingezahlt werden. Für Beträge oberhalb der 1.800-Euro-Grenze entfallen zwar die direkten Zulagen, doch der Steuerstundungseffekt in der Ansparphase bleibt bestehen.