Aktie im Fokus: Alphabet – die Google-Mutter

23.02.2026   Lesezeit: ca. 6 Minuten

Erinnern Sie sich noch an das Internet der frühen 2000er Jahre? Eine schlichte Startseite, ein buntes Logo und ein blinkender Cursor. Google war das Tor zum Netz und fungierte damals vor allem als Suchmaschine und digitale Bibliothek. Heute ist die Muttergesellschaft Alphabet ein breit diversifizierter Technologiekonzern, der in den Bereichen Onlinewerbung (Google), Cloud-Infrastruktur, KI-Anwendungen (Deepmind) und selbstfahrende Autos (Waymo) tätig ist. Eine Investition in die Alphabet-Aktie ist daher nicht nur eine Investition in den Werbemarkt, sondern auch eine Beteiligung an zahlreichen Zukunftsthemen.

Mann in hellblauem Hemd sitzt vor einem Fenster an seinem Laptop
Die aktuellen Geschäftszahlen zeigen, dass sich das Unternehmen strukturell verändert hat. Die im Februar 2026 veröffentlichten Ergebnisse für das Jahr 2025 weisen erstmals einen Jahresumsatz von über 400 Mrd. US-Dollar aus. Ein Plus von 15 % gegenüber dem Vorjahr.Das Wachstum stammt dabei aus mehreren Segmenten. Neben dem nach wie vor wichtigen Werbegeschäft tragen insbesondere Cloud-Services und KI-bezogene Angebote zum Wachstum bei. Welche Bedeutung werden diese Bereiche künftig haben und welches Thema könnte die Fantasie der Anleger wecken und die Alphabet-Aktie beflügeln?
2022
2023
2024
2025
Umsatzerlöse
280,88
307,16
349,81
402,96
Ergebnis
71,33
85,72
119,82
158,83
Jahresüberschuss
59,97
73,80
100,12
132,17
EBIT
58,64
69,34
97,51
131,09
EBITDA
72,06
79,40
110,40
148,89
Cash Flow
91,50
101,75
125,30
164,71

Fazit

  • Alphabet entwickelt sich zunehmend vom werbedominierten Geschäft zu einem breit diversifizierten Technologie- und KI-Konzern.
  • Die Cloud und die KI-Modelle gewinnen an Bedeutung, während Projekte wie Waymos Robotaxis die Fantasie der Anleger wecken.
  • Maßgeblich für die künftige Profitabilität der neuen Wachstumsfelder sind große Investitionen und regulatorische Risiken.

Google-Suche: Verdrängt KI das wichtige Standbein?

Lange Zeit basierte das Geschäftsmodell mit der Suchmaschine Google auf einer einfachen Idee: Die Nutzer gabeneinen Suchbegriff ein und erhielten eine Liste mit Links, von denen einige bezahlt waren. Auf dieser Logik basierte über Jahre hinweg ein Großteil der Erlöse von Google und später Alphabet. Mit der Einführung KI-gestützter Suchfunktionen wie der „Search Generative Experience“ verändert sich dieses Nutzungsmuster jedoch. Anstelle vieler einzelner Webseitenaufrufe erhalten Nutzer zunehmend zusammengefasste, strukturierte Antworten direkt in der Suche.

Ein Beispiel: Wer eine komplexe Rundreise durch Japan plante, hatte früher zahlreiche Seiten parallel geöffnet, Sehenswürdigkeiten recherchiert, Hotels verglichen und Bewertungen gelesen. Heute kann die Suche bereits Vorschläge für eine Reiseroute zusammenstellen, Optionen gegenüberstellen und weitere Schritte vorbereiten.

Marktteilnehmer fragen sich deshalb, ob klassische Online-Werbung dadurch an Bedeutung verlieren könnte. Doch Google hat bereits Ende des letzten Jahres damit begonnen, Werbeanzeigen innerhalb seiner KI-Mode-Oberfläche anzuzeigen.2 Zusätzlich geben die Geschäftszahlen für das vierte Quartal 2025 vorerst Entwarnung. So stieg der Umsatz im Segment „Search & Other“ um 17 % auf über 63 Mrd. US-Dollar.1 Ein möglicher Grund hierfür könnte sein, dass KI-gestützte Ergebnisse Nutzer länger innerhalb der Plattform halten und präzisere neue Werbeformate ermöglichen.

Google Cloud: Die Wachstumsmaschine

Ein weiterer wichtiger Geschäftsbereich ist die Google Cloud. Dabei wird Rechenleistung, Datenspeicherung und Software über das Internet bereitgestellt. Unternehmen mieten somit IT-Infrastruktur und müssen keine eigenen Server mehr betreiben.

Über Jahre hinweg war die Google Cloud ein milliardenschweres Zuschussgeschäft. Im ersten Quartal 2023 konnte der Bereich erstmals in der Unternehmensgeschichte einen operativen Gewinn ausweisen.3 Zuvor hatte Alphabet über ein Jahrzehnt hinweg massiv investiert. 2025 entwickelte sich die Google Cloud endgültig zum zentralen Wachstumstreiber. Im vierten Quartal 2025 sprang der Umsatz um beeindruckende 48 % auf 17,7 Mrd. US-Dollar nach oben.1 Der Marktführer Amazon Web Services (AWS) verzeichnete im selben Zeitraum ein Wachstum von 24 %4, während Microsoft Azure um 39 %5 zulegte. Zwar spielt Amazons Cloud mit einem Quartalsumsatz von über 35 Mrd. US-Dollar4 volumenmäßig noch in einer eigenen Liga, doch durch die schnellere Wachstumsrate könnte Google aufholen. Besonders bemerkenswert ist die Profitabilität. So hat sich der operative Gewinn der Cloud-Sparte auf 5,3 Mrd. US-Dollar mehr als verdoppelt, was einer operativen Marge von rund 30 % entspricht.1

Gemini: das Comeback im KI-Wettlauf

Es ist noch gar nicht lange her, da galt Alphabet in der Tech-Welt fast schon als der „schlafende Riese“, der den Anschluss verpasst hat. Während Wettbewerber mit neuen KI-Anwendungen große Aufmerksamkeit erhielten, entstand der Eindruck, der Konzern agiere zurückhaltender und bringe seine Entwicklungen langsamer an die Öffentlichkeit. Inzwischen positioniert sich Alphabet wieder deutlich sichtbarer im KI-Wettbewerb – gestützt auf eigene Rechenzentren, spezialisierte Hardware und neue Modellgenerationen.

Das Herzstück von Alphabets KI-Offensive ist Gemini. Mit über 750 Millionen monatlich aktiven Nutzern6 (Stand Februar 2026) zählt das System zu den großen KI-Plattformen am Markt. In verschiedenen Leistungsbenchmarks erzielt es hohe Werte bei komplexen Schlussfolgerungsaufgaben, was Fortschritte bei logischem Denken und Problemlösung zeigt.

Technologisch ermöglicht wird dieser Sprung durch Googles Investitionen in maßgeschneiderte Hardware, die sogenannten Tensor Processing Units (TPUs). Mit der siebten Generation, der TPU v7 (Codename „Ironwood“), hat Alphabet einen Chip entwickelt, der speziell auf die gigantischen Rechenlasten moderner Modelle optimiert ist. Durch diese vertikale Integration – vom eigenen Chip bis zum fertigen Modell – konnte Google die Kosten für die Bereitstellung von Gemini im Jahr 2025 um rund 78 % senken.7

DeepMind: Vom Brettspiel zur Heilung von Krankheiten?

2014 übernahm Google das Londoner KI-Labor DeepMind Technologies.8 Lange Zeit galt DeepMind als Spielwiese für geniale Wissenschaftler und Informatiker. Heute ist DeepMind jedoch ein wichtiger Bestandteil von Alphabet und ein Unternehmensbereich, der zukünftig Milliardenumsätze generieren könnte.

DeepMind erlangte 2016 Bekanntheit, als das System AlphaGo gegen den Go-Großmeister Lee Sedol antrat und die Partie mit 4:1 gewann.8 Das asiatische Brettspiel Go gilt wegen seiner enormen Kombinationsmöglichkeiten als deutlich komplexer als Schach. Der Sieg demonstrierte erstmals öffentlich, dass moderne KI nicht nur berechnen, sondern auch strategische Muster eigenständig erlernen kann.

Wenige Jahre später sorgte das Programm AlphaFold in der Wissenschaft für Aufmerksamkeit. Das System kann die dreidimensionale Struktur von Proteinen aus ihrer Aminosäure-Sequenz vorhersagen. Diese Aufgabe dauerte experimentell zuvor oft mehrere Jahre. Dadurch lassen sich Forschungsprozesse in Bereichen wie der Medikamentenentwicklung, der Biotechnologie oder der Materialwissenschaft erheblich beschleunigen.8 Für diese Entwicklung wurden die Entwickler Demis Hassabis und John Jumper 2024 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet.9, 10

Aktuell arbeitet DeepMind an weiteren Anwendungen wie AlphaGenome. Dieses Modell analysiert Zusammenhänge innerhalb der DNA und hilft dabei, zu erkennen, welche Abschnitte Gene regulieren, welche genetischen Varianten relevant sein könnten und wie Veränderungen mit Krankheiten in Verbindung stehen. Solche Werkzeuge werden in der Forschung genutzt, um komplexe Erkrankungen wie Krebs oder genetisch bedingte Krankheiten besser zu untersuchen.11

Waymo: Autonom durch die Straßen gleiten

Neben Software und KI-Modellen investiert Alphabet auch in die physische Welt. Besonders deutlich wird dies bei Waymo, dem Unternehmen für autonomes Fahren. Was einst als experimentelle „Other Bet“ begann, ist heute tatsächlich auf öffentlichen Straßen unterwegs. In mehreren US-Städten können Nutzer die Robotaxis per App bestellen. Die Robotaxis absolvieren inzwischen über 400.000 bezahlte Fahrten pro Woche.12 Ganz ohne Fahrer am Steuer. Anstelle von Assistenzsystemen, die den Menschen unterstützen, übernimmt hier die Software die Fahraufgabe vollständig.

Während Waymo in einigen US-Städten bereits zum Alltag gehört, sind in Europa noch keine Fahrzeuge im Einsatz. Doch das soll sich nun ändern. Noch in diesem Jahr sollen die ersten autonomen Autos auf den Straßen von London unterwegs sein.13

Nach der jüngsten Finanzierungsrunde von 16 Mrd. US-Dollar wird Waymo mit rund 126 Mrd. US-Dollar bewertet.14 Zum Vergleich: Volkswagen ist gerade einmal die Hälfte, nämlich rund 52 Mrd. Euro, wert.15 Kein Wunder, dass viele Anleger bereits von einer Waymo-Aktie träumen und auf einen baldigen Börsengang der Alphabet-Tochter hoffen. Konkrete Pläne dazu hat Alphabet jedoch bislang nicht bestätigt.

Unfallreduktion durch Waymo-Robotaxis. Im Vergleich zu einem durchschnittlichen menschlichen Fahrer auf derselben Strecke in den Einsatzstädten
Unfallart
Reduktion
Weniger Unfälle mit schweren oder tödlichen Verletzungen
90 %
Weniger Unfälle mit Airbag-Auslösung
82 %
Weniger verletzungsverursachende Unfälle insgesamt
81 %

Risiken für Anleger

Wer die Alphabet-Aktie kauft, sollte sich der Herausforderungen bewusst sein. Die vermutlich größten Risiken sind:

  1. Regulatorik
    Im Februar 2026 bestätigte ein US-Gericht erneut, dass Google seine Marktmacht im Bereich der Werbetechnologie (Ad-Tech) missbraucht hat.16 Solche Urteile können zu schmerzhaften strukturellen Änderungen führen. Bisher konnte eine Zerschlagung (etwa die Abspaltung von Chrome oder Android) abgewendet werden.
    In Europa drohen zudem neue Verfahren wegen der Nutzung von Inhalten für das KI-Training. Hier stehen potenzielle Bußgelder von bis zu 10 % des weltweiten Jahresumsatzes im Raum.17
  2. Kann sich Google selbst kannibalisieren?
    Was passiert, wenn die KI so gut wird, dass niemand mehr auf Anzeigen klickt? In seinem jüngsten Jahresbericht (Februar 2026) hat Alphabet selbst vor der Search Generative Experience als Bedrohung für das klassische Anzeigengeschäft gewarnt.18 Wenn die KI dem Nutzer die perfekte Antwort direkt liefert, gibt es keinen Grund mehr, sich durch eine Liste von gesponserten Links zu klicken. Alphabet muss den schmalen Grat meistern, die Suche zu modernisieren, ohne die eigene Gelddruckmaschine zu zerstören.
  3. Die KI-Blase platzt
    Für das Jahr 2026 hat Alphabet Investitionsausgaben in KI und Rechenzentren in astronomischer Höhe von 175 bis 185 Mrd. US-Dollar angekündigt.6 Das ist eine Verdopplung gegenüber 2025. Wenn der erhoffte Produktivitätsschub durch KI in der breiten Wirtschaft allerdings langsamer eintritt als gedacht, sitzt Alphabet auf gigantischen, teuren Rechenzentren, die sich nicht schnell genug amortisieren.
  4. Die „Other Bets“
    Während Waymo kurz vor dem Durchbruch steht, schreiben viele andere Projekte in der Sparte „Other Bets“ weiterhin rote Zahlen. Solange das Werbegeschäft boomt, kann sich Alphabet dies leisten. Sollten die Umsätze jedoch zurückgehen, könnten diese „Experimente” das Geschäftsergebnis zusätzlich belasten.

Wichtig zu wissen ist, dass dieser Artikel nur einen kleinen Ausschnitt aus dem umfangreichen Portfolio von Alphabet abbildet. Der Konzern ist weitaus breiter aufgestellt. Weitere zentrale Bereiche sind z. B. das Hardware-Ökosystem mit Produkten wie den Pixel-Smartphones und Nest-Produkten sowie andere „Other Bets“. Alphabet ist also noch deutlich vielschichtiger, als es dieser Überblick vermuten lässt.

Quellen:
1 Alphabet (https://s206.q4cdn.com/479360582/files/doc_financials/2025/q4/4/2025q4-alphabet-earnings-slides.pdf)

2 Golem (https://www.golem.de/news/google-monetarisiert-ki-erste-werbeanzeigen-im-ki-mode-von-google-2511-202491.html)

3 Alphabet (https://s206.q4cdn.com/479360582/files/doc_financials/2023/q1/goog-exhibit-99-1-q1-2023-19.pdf)

4 Amazon (https://ir.aboutamazon.com/news-release/news-release-details/2026/Amazon-com-Announces-Fourth-Quarter-Results/default.aspx)

5 Microsoft (https://www.microsoft.com/en-us/investor/earnings/fy-2026-q2/press-release-webcast)

6 Alphabet (https://abc.xyz/investor/events/event-details/2026/2025-Q4-Earnings-Call-2026-Dr_C033hS6/default.aspx)

7 PYMNTS (https://www.pymnts.com/google/2026/alphabet-bets-185b-on-gemini-agentic-commerce-and-enterprise-ai/)

8 Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/DeepMind)

9 Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/Demis_Hassabis)

10 Wikipedia (https://de.wikipedia.org/wiki/John_M._Jumper)

11 Tagesschau (https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/dna-ki-alpha-genome-erbkrankheiten-100.html)

12 Spiegel (https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/autonomes-fahren-waymo-sammelt-weitere-16-milliarden-dollar-fuer-robotaxis-ein-a-55554d42-62cb-4dab-9468-938793fe051b)

13 Bloomberg (https://www.bloomberg.com/news/newsletters/2026-02-12/waymo-car-coming-to-london-later-this-year-ceo-says)

14 Börsenzeitung (https://www.boersen-zeitung.de/unternehmen-branchen/investoren-pumpen-milliarden-in-robotaxi-firma-waymo-2)

15 Consorsbank (https://www.consorsbank.de/web/Wertpapier/Aktie/Volkswagen-DE0007664005)

16 Financial Content (https://markets.financialcontent.com/stocks/article/finterra-2026-2-6-the-180-billion-gamble-alphabets-high-stakes-ai-transformation-in-2026)

17 The Economic Times (https://economictimes.indiatimes.com/tech/artificial-intelligence/google-faces-eu-antitrust-investigation-over-ai-overviews-youtube/articleshow/125865700.cms)

18 Alphabet (https://s206.q4cdn.com/479360582/files/doc_financials/2025/q4/GOOG-10-K-2025.pdf)