16.02.2026 Lesezeit: ca. 10 Minuten
Wenn über besonders erfolgreiche Aktien gesprochen wird, fallen schnell die Namen der sogenannten „Magnificent 7“: Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta, Tesla und Nvidia. Diese Tech-Giganten haben in den vergangenen fünf Jahren deutliche Wertzuwächse erzielt und dominierten die Börsenindizes. Für viele Anleger stehen sie sinnbildlich für erfolgreiche Aktien. Doch sind sie auch Aktien für die Ewigkeit?
Die Frage ist berechtigt, denn obwohl ihre aktuelle Marktmacht unbestritten ist, zeigt ein Blick auf historische Aktienkurse, dass die Dominanz an der Börse vergänglich sein kann. Unternehmen wie Nokia oder General Electric galten einst als nahezu unangreifbar – heute spielen sie an der Börse nur noch eine Nebenrolle. Auch bei Unternehmen, die zeitweise zu den stabilsten Aktien der Welt gezählt wurden, gab es teils erhebliche Rückschläge.
Was also macht echte „Aktien für die Ewigkeit“ aus? Welche Eigenschaften sollten Unternehmen mitbringen, um über Jahrzehnte hinweg stabil zu wachsen? Und welche Aktien steigen langfristig
Fazit
- „Aktien für die Ewigkeit“ zeichnen sich häufig durch stabile Geschäftsmodelle, starke Marktpositionen und Anpassungsfähigkeit aus.
- Auch langfristig erfolgreiche Unternehmen sind nicht frei von Risiken und können zwischenzeitlich deutliche Kursschwankungen erleben.
- Eine breite Diversifikation und regelmäßige Überprüfung der Geldanlage bleiben entscheidend.
Was zeichnet „Aktien für die Ewigkeit“ aus?
Der Begriff „Aktien für die Ewigkeit“ beschreibt Unternehmen, die über sehr lange Zeiträume – idealerweise Jahrzehnte – stabile Geschäftsergebnisse liefern und dabei kontinuierlich Wert für ihre Aktionäre schaffen. Folgende Eigenschaften können dabei eine Rolle spielen:
- Starke Marktposition und Wettbewerbsvorteile:
Unternehmen mit dauerhaften Wettbewerbsvorteilen – beispielsweise durch Markenbekanntheit, Patente, Netzwerkeffekte, Kostenführerschaft oder extrem hohen Wechselkosten für Kunden – können ihre Position oft über lange Zeit verteidigen. Diese „Economic Moats“ oder „Burggräben“ schützen vor Konkurrenz und erschweren es neuen Wettbewerbern, in den Markt einzudringen. - Bewährtes Geschäftsmodell:
Ein Geschäftsmodell, das sich über verschiedene Wirtschaftszyklen hinweg als robust erwiesen hat, kann ein Indikator für Beständigkeit sein. Unternehmen, deren Produkte oder Dienstleistungen auch in Krisenzeiten nachgefragt werden, gelten häufig als potenziell krisensichere Aktien. - Anpassungsfähigkeit:
Die Fähigkeit, sich verändernden Marktbedingungen anzupassen, neue Technologien zu integrieren und das Geschäftsmodell weiterzuentwickeln, ist entscheidend für den langfristigen Erfolg. - Solide Bilanz:
Eine geringe Verschuldung und hohe Cashflows geben Unternehmen Spielraum, auch schwierige Phasen zu überstehen oder gar Dividenden zu zahlen.
Es ist wichtig zu betonen: Keine Aktie ist für die Ewigkeit. Selbst die 10 stärksten Aktien der Welt mit hervorragenden Fundamentaldaten können Schwächephasen durchlaufen oder von disruptiven Entwicklungen überrascht werden. Es gibt keine Garantie für den Fortbestand eines Unternehmens. Jede Investition am Aktienmarkt ist mit Risiken verbunden, bis hin zum Totalverlust.
Unternehmen mit Potenzial für die Ewigkeit
Im Folgenden werden sieben Unternehmen vorgestellt, die nach heutigen Maßstäben viele der genannten Eigenschaften erfüllen. Dabei handelt es sich um eine bewusst exemplarische Auswahl aus unterschiedlichen Branchen und Regionen. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sollte nicht als abschließende Bewertung verstanden werden.
1. Alphabet:
Alphabet ist die Muttergesellschaft von Google. Während das Unternehmen lange Zeit vor allem für seine Suchmaschine bekannt war, verfolgt Alphabet heute ein breit gefächertes Technologiekonzept. Zwar bildet das Werbegeschäft rund um Google Search und YouTube nach wie vor das finanzielle Fundament, es wird jedoch zunehmend durch andere Wachstumsfelder ergänzt. Mit der Google Cloud Platform ist Alphabet inzwischen der drittgrößte Anbieter von Cloud-Infrastruktur weltweit.1 Parallel dazu investiert der Konzern stark in künstliche Intelligenz, sowohl in die Entwicklung eigener Modelle wie Gemini als auch in eigens entworfene KI-Chips, um technologische Abhängigkeiten zu reduzieren. Mit Waymo nimmt Alphabet zudem eine bedeutende Rolle im Bereich des autonomen Fahrens ein und betreibt bereits kommerzielle Robotaxi-Dienste in ausgewählten Regionen. Die Kombination aus umfangreichen Datenbeständen, hoher Innovationskraft und der fortlaufenden Weiterentwicklung des Geschäftsmodells könnte Alphabet langfristig strategische Wettbewerbsvorteile verschaffen, wenngleich technologische und regulatorische Risiken bestehen.
2. Microsoft:
In den vergangenen Jahren hat sich der Softwarekonzern erfolgreich von einem klassischen PC-Softwareanbieter zu einem breit aufgestellten Cloud- und KI-Unternehmen transformiert. Mit dem Windows-Betriebssystem, das auf zwei Dritteln2 der weltweit genutzten Computer installiert ist, und der Office-Suite verfügt das Unternehmen über eine starke Marktposition und einen stetigen Cashflow. Einer der aktuellen Wachstumstreiber ist das Cloud-Geschäft rund um Azure. Azure ist derzeit die Nummer 2 unter den Plattformen1 und generiert über abonnementbasierte Modelle stetige, wiederkehrende Umsätze. Die enge Partnerschaft mit OpenAI sowie umfangreiche Investitionen in KI-Infrastruktur und -Anwendungen unterstreichen die langfristige strategische Ausrichtung des Unternehmens. Allerdings unterliegt auch dieses Unternehmen strukturellen Veränderungen und Wettbewerbsdruck.
Grafik 1: Vergleich Alphabet, Microsoft und NASDAQ Composite (indexiert 01.01.2006 = 100)
Stand: 31.12.2025
Disclaimer: Aus der früheren Wertentwicklung können Sie nicht auf die zukünftige Wertentwicklung schließen.
Mit seiner über 130-jährigen Geschichte3 zählt Johnson & Johnson zu den etablierten Unternehmen der Gesundheitsbranche. Der Konzern vereint die Bereiche Pharmazeutika und Medizintechnik und ist auch in Deutschland mit bekannten Marken wie dem Schmerzmittel Dolormin und der Pflegemarke Bebe für Haut- und Körperpflegeprodukte vertreten. Johnson & Johnson hat seine Dividende über viele Jahrzehnte kontinuierlich erhöht, was auf finanzielle Stabilität hindeuten kann. Das breite Portfolio im Gesundheitsbereich – von Medikamenten über medizintechnische bis hin zu medizinischen und pflegerischen Produkten – macht das Geschäft weniger anfällig für konjunkturelle Schwankungen. Die demografische Entwicklung in der westlichen Welt mit einer alternden Bevölkerung könnte dem Geschäftsmodell zusätzlich zugutekommen, wobei auch hier ein intensiver Wettbewerb besteht.
4. Procter & Gamble
Der US-Konsumgüterkonzern verfügt über ein Portfolio bekannter Marken, darunter Pampers, Gillette und Oral-B. Das Geschäftsmodell basiert auf Produkten des täglichen Bedarfs, die auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nachgefragt werden. Mit seiner seit 18374 bestehenden Unternehmensgeschichte hat P&G verschiedene Wirtschaftszyklen durchlaufen. Die Präsenz in zahlreichen Ländern weltweit, etablierte Marken und eine kontinuierliche Produktentwicklung zeichnen das Unternehmen aus. Auch die lange Dividendenhistorie ist ein Hinweis auf die Stabilität in der Vergangenheit, garantiert jedoch keine zukünftige Entwicklung.
5. Coca-Cola:
Die Getränkemarke ist in über 200 Ländern5 weltweit vertreten und verfügt über einen sehr hohen Wiedererkennungswert. Das Geschäftsmodell hat sich über mehr als ein Jahrhundert hinweg etabliert und wurde dabei fortlaufend weiterentwickelt. Während Coca-Cola sich überwiegend auf die Herstellung von Konzentraten und Sirupen konzentriert, sind unabhängige Abfüllpartner für Produktion, Logistik und Vertrieb zuständig. Die starke Markenposition, das globale Vertriebsnetz und die Preissetzungsmacht können als strukturelle Wettbewerbsvorteile betrachtet werden. Gleichzeitig hat der Konzern sein Produktportfolio schrittweise diversifiziert, unter anderem in den Bereichen Wasser, Säfte, Kaffee und Energy-Drinks, um auf veränderte Konsumgewohnheiten zu reagieren. Trotz dieser Anpassungen bleibt das Geschäftsmodell nicht frei von Risiken, etwa durch neue Gesundheitstrends und ein verändertes Konsumverhalten.
Grafik 2: Vergleich Johnson & Johnson, Procter & Gamble, Coca-Cola und Dow Jones (indexiert 01.01.2006 = 100)
Stand: 31.12.2025
Disclaimer: Aus der früheren Wertentwicklung können Sie nicht auf die zukünftige Wertentwicklung schließen.
6. Siemens:
Siemens ist ein weltweit tätiger Industriekonzern, dessen Schwerpunkte in den Bereichen Automatisierung, digitale Industrie, Infrastruktur und Energietechnologien liegen. Seit seiner Gründung im Jahr 18476 hat das Unternehmen zahlreiche technologische Umbrüche und wirtschaftliche Zyklen durchlaufen und sich dabei immer wieder neu ausgerichtet. Aufgrund seiner starken internationalen Präsenz ist Siemens nur in begrenztem Maße von der deutschen Konjunktur abhängig. Die Geschäftsfelder des Konzerns sind eng mit langfristigen strukturellen Trends wie Digitalisierung, Automatisierung und Energiewende verknüpft. Diese Kombination aus globaler Aufstellung, technologischem Know-how und langfristig relevanten Märkten unterstreicht die strategische Bedeutung des Unternehmens. Zyklische Schwankungen im Industriebereich sind jedoch nicht auszuschließen.
7. Allianz:
Die Allianz ist einer der größten Versicherungskonzerne der Welt und in den Bereichen Schaden- und Unfallversicherung, Lebensversicherung sowie Asset Management breit aufgestellt. Der im Jahr 18907 gegründete und international tätige Konzern erwirtschaftet einen Großteil seiner Erträge außerhalb Deutschlands. In seiner langen Unternehmensgeschichte hat der Konzern zahlreiche wirtschaftliche Krisenphasen durchlaufen und dabei über viele Jahre hinweg Dividenden ausgeschüttet. Dies kann als Zeichen einer soliden finanziellen Basis gewertet werden. Das Versicherungsgeschäft weist grundsätzlich eine vergleichsweise stabile Nachfrage auf, da der Bedarf an Absicherung auch in wirtschaftlich schwächeren Zeiten bestehen bleibt. Ergänzend dazu verwaltet die Sparte Asset Management ein erhebliches Volumen an Kundengeldern und trägt mit laufenden Gebühreneinnahmen zur Ertragsbasis bei. Allerdings ist das Geschäftsmodell von den Entwicklungen der Zinsen und Kapitalmärkte abhängig, die sich negativ auf die Erträge auswirken können.
Grafik 3: Vergleich Siemens, Allianz und DAX (indexiert 01.01.2006 = 100)
Stand: 30.12.2025
Disclaimer: Aus der früheren Wertentwicklung können Sie nicht auf die zukünftige Wertentwicklung schließen.
Fazit: Langfristig denken, realistisch bleiben
Wer langfristig in Aktien investieren möchte, sollte auf Qualität, Beständigkeit und bewährte Geschäftsmodelle achten. Auch wenn die 7 vorgestellten Unternehmen heute als besonders stabil gelten, ist eine regelmäßige Überprüfung der Anlageentscheidung unerlässlich. Selbst Titel wie Siemens oder Allianz, die langfristig mit zu den besten deutschen Aktien zählen, sind vor Rückschlägen und Kursverlusten nicht gefeit. Zudem kann es passieren, dass selbst sogenannte „Aktien für die Ewigkeit“ über lange Zeiträume schlechter abschneiden als ein Vergleichsindex wie beispielsweise der Dow Jones oder der DAX. Vor diesem Hintergrund kann ein breit gestreutes Investment in einen Index für viele Anleger eine langfristige Anlagestrategie darstellen und damit ebenfalls „für die Ewigkeit“.
Denn Märkte verändern sich, Geschäftsmodelle können unter Druck geraten, und eine Erfolgsgarantie für „Buy and Hold“ gibt es an der Börse nicht. Eine breite Diversifikation und regelmäßige Überprüfung der eigenen Anlagestrategie bleiben daher zentrale Grundprinzipien jeder langfristigen Geldanlage.
Quellen:
1 heise online (https://www.heise.de/news/Cloudmarkt-AWS-Azure-und-Google-bauen-Dominanz-weiter-aus-11087756.html)
2 statcounter (https://gs.statcounter.com/os-market-share/desktop/worldwide/#monthly-202601-202601-bar)
3 Johnson & Johnson (https://www.jnj.com/our-heritage/our-beginning)
4 Procter & Gamble (https://us.pg.com/blogs/pg-misspelling-procter-and-gamble/)
5 Coca-Cola (https://www.coca-cola.com/at/de/about-us/faq/wird-coca-cola-ueberall-auf-der-welt-getrunken)
6 Siemens (https://www.siemens.com/de/de/unternehmen/konzern/geschichte/stories/das-jahr-1847.html)
7 Allianz (https://www.allianz.com/de/ueber-uns/wer-wir-sind/geschichte.html)