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DJ BLICKPUNKT/Paukenschlag bei Blackrock-Nachhaltigkeit wird Standard



FRANKFURT (Dow Jones)--Der größte Vermögensverwalter der Welt, Blackrock, wird das Thema "Nachhaltigkeit" zum neuen Investmentstardard erheben. Angesichts des Klimawandels fordert er auch die Unternehmen zum Handeln auf und sieht eine massive Umverteilung von Kapital. Erste Leidtragende werden Kohleproduzenten sein, die bis Mitte des Jahres aus den Portfolios fallen. Blackrock setzt sich nun zum Ziel, das in nachhaltigen Anlagen verwaltete Vermögen in diesem Jahrzehnt mehr als zu verzehnfachen - von heute 90 Milliarden Dollar auf über 1 Billion Dollar.

"Der Klimawandel ist für die langfristigen Aussichten von Unternehmen zu einem entscheidenden Faktor geworden", schreibt Larry Fink, CEO von Blackrock, in seinem diesjährigen Brief an die Vorstände von Unternehmen. Die nicht von der Hand zu weisenden Klimarisiken zwängen Anleger, ihre zentralen Annahmen zur modernen Finanzwirtschaft zu überdenken. Investoren würden zunehmend erkennen, dass das Klimarisiko auch ein Anlagerisiko ist. All dies habe eine grundlegende Neubewertung von Risiken und Vermögenswerten zur Folge: "Schon bald - und früher als von den meisten erwartet - wird es zu einer erheblichen Umverteilung von Kapital kommen".

   Massive Umschichtungen - Kohleproduzenten fliegen raus 

Mit einer Reihe von Initiativen erhebt Blackrock Nachhaltigkeit daher zu seinem neuen Investmentstandard: "Künftig werden wir Nachhaltigkeit zu einem wesentlichen Bestandteil unserer Portfoliokonstruktion und unseres Risikomanagements machen", sagt Fink und warnt dabei auch Unternehmen aus alten Industrien: "Wir werden uns von Anlagen trennen, die ein erhebliches Nachhaltigkeitsrisiko darstellen, wie zum Beispiel Wertpapiere von Kohleproduzenten. Wir werden neue Anlageprodukte auf den Markt bringen, die Investments in fossile Brennstoffe ausschließen, und uns bei unseren Investment-Stewardship-Aktivitäten noch stärker für Nachhaltigkeit und Transparenz einsetzen".

Fink will beim Dialog mit Unternehmen noch mehr Offenlegungen fordern: "Angesichts der wachsenden nachhaltigkeitsbezogenen Anlagerisiken sind wir zunehmend geneigt, Vorständen und Aufsichtsräten unsere Zustimmung zu verweigern, wenn ihre Unternehmen bei der Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen und den ihnen zugrunde liegenden Geschäftspraktiken und -plänen keine ausreichenden Fortschritte machen".

  ESG wird jetzt in alle Anlageprozesse integriert 

Als erste, konkrete Schritte nennt der Blackrock-Chef unter anderem: Eine Verdopplung der iShares ESG-ETFs auf 150 Produkte, Publikumsfonds mit Fokus auf der globalen Energiewende sowie nachhaltige Modellportfolios.

Dazu werde "Nachhaltigkeit" in die aktiven Anlageprozesse integriert: Bis Ende 2020 sollen alle aktiven Portfolios und Mandatsstrategien Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) umfassend integrieren. Das bedeutet, dass Portfoliomanager auf der Portfolioebene dafür verantwortlich sind, ESG-Risiken zu berücksichtigen.

Man habe bereits damit begonnen, börsennotierte Wertpapiere, also Anleihen und Aktien, von Unternehmen, die mehr als 25 Prozent ihrer Umsätze aus der Kohleproduktion erwirtschaften, aus diskretionären aktiven Anlageportfolios zu eliminieren. Dieser Prozess soll bis Mitte 2020 abgeschlossen sein.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/mod/err

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January 14, 2020 05:42 ET (10:42 GMT)

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Quelle:Dow Jones  14.01.2020 11:42


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