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DJ Munich Re: Wirbelstürme sorgen 2019 für hohe Schäden



Von Matthias Goldschmidt

FRANKFURT (Dow Jones)--Wegen mehrerer heftiger Wirbelstürme haben die durch Naturkatastrophen verursachten Schäden im vergangenen Jahr nur geringfügig abgenommen. Wie der weltgrößte Rückversicherer Munich Re mitteilte, haben Naturkatastrophen im vergangenen Jahr Gesamtschäden im Volumen von 150 Milliarden US-Dollar verursacht. Das entsprach in etwa dem Durchschnitt der vergangenen 30 Jahre. Im Vorjahr lagen der Gesamtschäden bei 160 Milliarden Dollar.

Für die Versicherungswirtschaft wurde es aber dadurch nicht teurer, denn der Anteil der versicherten Schäden ging deutlich zurück. Waren 2018 etwa die Hälfte der Schäden versichert, so waren es im vergangenen Jahr mit 52 Milliarden Dollar nur noch gut ein Drittel. Geschuldet war dies unter anderem einem höheren Anteil von Flutschäden, die auch in Industrieländern seltener versichert sind als Sturmschäden.

Das zeigte sich deutlich bei dem größten Schadensereignis des Jahres, dem Taifun "Hagibis", der Japan im Oktober heimsuchte und Schäden von 17 Milliarden Dollar verursachte. Davon waren aber nur 10 Milliarden Dollar versichert, da ein großer Teil Flutschäden waren.

   Wirbelstürme bringen tendenziell mehr Regen 

"Bei 'Hagibis' ist erneut eine Auffälligkeit vorhanden gewesen, bei der sich mit aller Vorsicht schon ein Trend abzeichnet", sagte Ernst Rauch, Chef-Klima- und Geowissenschaftler der Munich Re, im Gespräch mit Dow Jones Newswires. "Es war die hohe Niederschlagsmenge von 1.000 Litern pro Quadratmeter innerhalb von zwei Tagen - das entspricht in etwa der Jahresregenmenge von Deutschland."

Dies ist bei Wirbelstürmen auf der ganzen Welt zuletzt häufiger vorgekommen. "Wir haben in den vergangenen Jahren beobachtet, dass sich Wirbelstürme immer häufiger langsam fortbewegen. Durch den gleichzeitig bei steigenden Temperaturen möglichen höheren Feuchtegehalt in der Atmosphäre bringen sie auch mehr Niederschlag mit sich", sagte Rauch. "Ob das ein langfristig stabiler Trend ist, kann man noch nicht sagen."

Japan hat 2019 das zweite Jahr in Folge mit Rekordschäden hinter sich. So verursachte "Faxai" im September Schäden von rund 9 Milliarden Dollar. Wegen des höheren Anteils an stärker versicherten Sturmschäden lag der versicherte Schaden bei etwa 7 Milliarden Dollar.

Ob es dieses Jahr änlich schlimm für Japan wird, lässt sich noch nicht vorhersagen. Das natürliche Klimaphänomen "El Nino Modoki", das die Taifun-Saison in den vergangenen beiden Jahren beeinflusst hat, sei zwar abgeklungen, so Rauch. "Das Schwierige an diesen El Ninos ist, dass man Unwetterkatastrophen erst sehr spät mit diesen Phänomenen in Verbindung bringen kann. Es ist heute noch keine zuverlässige Prognose möglich, ob sie in der kommenden Saison erneut auftreten werden. Wir haben Hoffnung, dass die Forschung voranschreitet, um in Zukunft Vorhersagen treffen zu können."

   US-Küsten hatten dieses Jahr Glück - Bahamas nicht 

Stürmisch wurde es 2019 auch vor der amerikanischen Küste, wenn auch nicht so heftig wie in den vergangenen Jahren. Der Hurrikan "Dorian" hat Anfang September zwar auf den Bahamas für massive Zerstörungen gesorgt, verschonte aber die US-Ostküste. Insgesamt verursachte "Dorian" Schäden von 5,6 Milliarden Dollar, versichert waren davon etwa 4 Milliarden Dollar.

Auch die Waldbrandsaison in Kalifornien verlief glimpflicher als im Vorjahr, weil es im Winter feuchter und im Sommer weniger heiß war als in den Vorjahren. Der längerfristige Trend der verbrannten Waldflächen und der Schäden in den USA zeige stark nach oben, heißt es im Bericht der Munich Re. Eine Vorhersage zu Waldbränden in diesem Jahr sei aber nicht möglich, sagte Rauch.

Die Schäden aus den noch lodernden Flammen in Australien sind unterdessen noch nicht bestimmbar. "Zu den aktuellen Buschfeuern in Australien kann man sich noch kein abschließendes Bild machen. Schon jetzt ist aber klar, dass die Dimension sehr außergewöhnlich ist und deutlich jenseits der Erfahrung der letzten Jahre", sagte der Chef-Klimatologe.

   Tornados und Hagelstürme von Klimawandel beeinflusst 

Der Klimawandel hat Rauch zufolge durchaus einen Einfluss auf bestimmte Wetterereignisse. "Bei sogenannten konvektiven Stürmen wie Hagelstürmen und Tornados sehen wir in Regionen mit guter Datenlage, also Europa und Nordamerika, eindeutig, dass die Intensität tatsächlich zugenommen hat. Das ist sehr wahrscheinlich dem Klimawandel zuzuschreiben."

In Europa verursachten Sommerunwetter Schäden von 2,5 Milliarden Dollar, wovon 0,9 Milliarden versichert waren. So gingen im Großraum München im Juni Hagelkörner in Golfballgröße nieder, der Schaden lag bei fast 1 Milliarde Euro.

Entwicklungsländer stehen demgegenüber oft gänzlich ohne Schutz da: Bei der größten humanitären Katastrophe des Jahres - dem Zyklon "Idai" mit mehr als 1.000 Todesopfern, vernichteten Ernten und Häusern in Mosambik und Nachbarländern - war fast nichts versichert. Die Katastrophe hatte eine "Dimension, die man typischerweise nur noch in Entwicklungs- und Schwellenländern findet".

Kontakt zum Autor: matthias.goldschmidt@wsj.com

DJG/mgo/bam

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January 08, 2020 05:00 ET (10:00 GMT)

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Quelle:Dow Jones  08.01.2020 11:00


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