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DJ Fed/Harker sieht keinen Grund für eine Zinssenkung



Von Nick Timiraos

NEW YORK (Dow Jones)--Der Chef der Notenbank in Philadelphia, Patrick Harker, sieht keinen "zwingenden Grund" für eine Zinssenkung angesichts der erkennbaren Stärke der US-Wirtschaft. Allerdings hätten die Verlangsamung des globalen Wachstums und die Unsicherheiten über die Handelspolitik klare Risiken geschaffen. Er unterstütze die Fed-Entscheidung aus dem vergangenen Monat, den Leitzins unverändert gelassen zu haben, und er rechne mit keiner Änderung in diesem Jahr. Harker ist in diesem Jahr nicht stimmberechtigt im Offenmarktausschuss der Fed.

"Die US-Wirtschaft ist weiterhin stark", sagte er in einem Interview. Das durchschnittliche Jobwachstum in den letzten Monaten zeige, dass der Arbeitsmarkt immer noch "sehr stark" sei. Er würde Zinssenkungen in Erwägung ziehen, wenn er glaube, dass "sich die Wirtschaft erheblich abschwächt, was ich an dieser Stelle aber nicht sehe", sagte er weiter. Es gebe keine unmittelbare Notwendigkeit, die Zinsen an diesem Punkt in die eine oder andere Richtungen zu bewegen.

Bei der Aussicht auf die weitere Entwicklung der Leitzinsen in den USA zeigen sich die amerikanischen Währungshüter derzeit gespalten. Während acht Währungshüter in diesem Jahr keine Zinserhöhung erwarten, sehen sieben Mitglieder der Fed Zinssenkungen bis zum Jahresende. Die Experten stehen vor einem Rätsel, ob die Handelsunsicherheiten oder die verzögerten Auswirkungen ihrer Zinserhöhungen im vergangenen Jahr zu einem langsamer als erwarteten Wirtschaftswachstum führen werden. Zudem überraschte sie die Abkühlung der Inflation in diesem Jahr. Die Kerninflation, ohne volatile Nahrungsmittel- und Energie, stieg im Mai gegenüber dem Vorjahr um 1,6 Prozent. Im Vormonat lag sie noch bei 2 Prozent. Die US-Notenbank strebt eine Inflationsrate von 2 Prozent an.

Harker sagte weiter, die Unterschreitung des Inflationsziels sei zwar ein Problem, aber er sehe das nicht als bevorstehende Krise. Er denke, man könnte der Inflation etwas Zeit geben, um wieder auf bis zu 2 Prozent zu steigen. Andere Inflationsbarometer, welche die extremsten monatlichen Preisänderungen herausrechnen, zeigten, dass die zugrunde liegenden Preissteigerungen näher an 2 Prozent lägen, so Harker. Sollte es mehr Anhaltspunkte dafür geben, dass die Teuerung zurückgeht und die Erwartungen von Verbrauchern und Unternehmen an die künftige Inflation abnimmt, dann "wäre ich besorgt", sagte er weiter.

Harker war einer der wenigen Notenbanker, der die Fed-Entscheidung vom Dezember letzten Jahres, den Leitzins auf die aktuelle Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent anzuheben, nicht befürwortete. Er sagte, dass insbesondere die zunehmende Unsicherheit in Bezug auf die Handelspolitik eine abwartende Haltung rechtfertige, welche die Währungshüter Anfang dieses Jahres einnahmen.

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July 09, 2019 11:13 ET (15:13 GMT)

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Quelle:Dow Jones  09.07.2019 17:13


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